15.02.2017

Anleihe der KTG Energie AG: erst gemolken und dann "so richtig ausgetrickst"

Ende vergangener Woche fand die Gläubigerversammlung der insolventen KTG Energie statt - passenderweise in der entweihten Neuruppiner Pfarrkirche.

Vor den Augen entsetzter Anleihegläubiger wurde hier unter Herbeiziehung sämtlicher juristischer Tricks ein geradezu meisterhaft inszeniertes Schauerstück auf die Bühne gebracht, wie beispielhaft das Handelsblatt berichtet.

Bereits die Vorgänge um die Insolvenz der KTG Agrar-Tochter KTG Energie, werthaltigster Bestandteil der mit Karacho in die totale Pleite gerauschten Unternehmensgruppe, scheint nach den vorliegenden Informationen überaus fragwürdig. Die Zech-Gruppe, ein Bremer Baukonzern, hatte im Nachgang der KTG Agrar-Insolvenz im Zusammenspiel mit der ihr nahestehenden Liechtensteiner Zech-Stiftung zu Ramschpreisen Ackerflächen rund um die Biogas-Anlagen der KTG Energie sowie die Mehrheit der dortig begebenen Aktien aufgekauft.

Anschließend seien hier Anwälte der Kanzlei Görg als Geschäftsführer eingesetzt worden - welche trotz der vorliegenden garantierten Einspeisevergütung in Milliardenhöhe alsbald für die KTG Energie Insolvenz anmeldeten - wohlgemerkt für die Muttergesellschaft, nicht für die profitablen Tochterunternehmen. Argumentation hier: die KTG Energie sei durch die vorausgegangene Konzernpleite im Zusammenspiel mit den vorliegenden Anleiheverbindlichkeiten leider nicht mehr in der Lage, den Weiterbetrieb der produktiven Töchter aufrechtzuerhalten.

Mit einiger Akribie schildert Handelsblatt-Redakteurin Gertrud Hussla nun ausführlich den weiteren Verlauf der Dinge: Insolvenz in Eigenregie, überstürztes Bieterverfahren mit mindestens fragwürdigen Zahlenangaben beziehungsweise dubioser Bewertung der vorhandenen Assets durch die eingesetzten Görg-Anwälte, Massekredit der Zech-Stiftung mit trickreicher Umwandlung in ein normales Gläubigerdarlehen samt Rückabwicklungsrecht und daran anschließender Überstimmung der "normalen" Anleihegläubiger. Höhepunkt und Krönung des grausigen Spektakels wurde die frohe Kunde für die ohnmächtigen Investoren, viele davon sprichwörtliche Kleinanleger: leider müsse man sie mit einer Quote von mageren 3 % abspeisen, darüberhinaus werde die Insolvenz in Eigenregie weitergeführt.

Was ist aus juristischer Sicht von der ganzen Geschichte zu halten? Wie zwischenzeitlich bekannt wurde, hat die zuständige Richterin des Neuruppiner Amtsgerichtes die "wundersame Darlehensverwandlung" (Handelsblatt) sowie die weiteren Pläne der Zech-Gruppe und -Stiftung abgesegnet. Eine Schlechterstellung der Anleihegläubiger sei nicht hinreichend genug dargelegt worden. Mit Beschluss vom 10. Februar 2017 sei der Insolvenzplan bestätigt, die fehlende Zustimmung der Anleihegläubiger ersetzt worden, wie u.a. das Finanzportal onvista.de vermeldet. Eine äußerst fragwürdige Entscheidung: ganz offensichtlich muss hier von einem Fall gesprochen werden, in dem durch forcierten Einsatz sprichwörtlicher juristischer Winkelzüge eine Vielzahl gutgläubiger Anleger über den ganz groben Kamm barbiert wurden. Insbesondere die Umwidmung des Massedarlehens dürfte vor einer intensiven juristischen Analyse aus unserer Sicht kaum bestehen.