13.06.2016

Agri Terra KG: Vorzugsgewinn, Übergewinn und Zusatzrendite von 15,91 % p.a. mit Rinderzucht?

Aus den Reihen unserer Mandantschaft heraus erreichen uns Fragen im Hinblick auf die Seriosität der Agri Terra KG.

Das in Bielefeld ansässige Unternehmen bewirbt auf seiner Internetpräsenz www.agri-terra.de Direktinvestitionen in die Rinderaufzucht im südamerikanischen Paraguay. Versprochen werden hier in einer modellhaften Beispielrechnung als Addition eines "Vorzugsgewinnes" und "Übergewinnes" als Gesamtrendite für Anleger 15,91 % p.a., wobei jedes einzelne Rind dem Anleger über Seriennummer und Brandzeichen direkt zugeordnet sein solle. In einem der zahlreichen unter dem Webseiten-Reiter "News" abrufbaren "Artikel", hier im "Sachwert-Magazin", der sich bei genauerem hinschauen als Anzeige entpuppt, ist gar die Rede von mehr als 17 % Jahresgewinn.

 Neben der Rinderaufzucht bietet die Agri Terra KG interessierten Investoren überdies Orangenplantagen sowie Weideland in Paraguay zum Kauf an. Letzteres soll anschließend über ein Rück-Pacht-Konzept von der Agri Terra KG für die Rinderzucht genutzt, die Orangenplantagen ebenso durch die Agri Terra bzw. deren Partnerfirmen bewirtschaftet werden. Die Vorteile seien vielfältig: die Rede ist hier von umfassender Betreuung, bester Beratung, höchster Sicherheit, wertbeständigen Investitionen mit besonders hohem Steigerungspotential, darüberhinaus regelmäßigen und laufend ausgeschütteten Einnahmen aus der Orangenernte respektive den durch die Agri Terra bezahlten Pachtzinsen für das Weideland.

Was ist von der ganzen Sache zu halten? Zunächst einmal sollten sich interessierte Investoren anstelle der auf den Webseiten dargestellten Bilder (saftige Orangen auf rustikalem Holztisch, glückliche Rinder auf dunkelgrünen Weiden vor blauem Horizont) den sogenannten Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) genauer betrachten. Das Land Paraguay nimmt hier Jahr für Jahr bedauerlicherweise einen der allerletzten Plätze in der Rangliste sämtlicher Staaten dieser Welt ein. Sodann stellt sich die Frage, was im Falle einer Unternehmensschieflage die versprochenen Garantien wert wären: die meisten Privatanleger hätten vermutlich Schwierigkeiten mit der Identifikation und dem Verkauf ihrer nummerierten Rinder - ein klitzekleiner Stolperstein, der voraussichtlich ebenso beim Verkauf einzelner Landparzellen im Wege liegen dürfte. Interessierte Marktbeobachter mögen sich hier an die kürzlichen Pleiten im Container-Leasinggeschäft sowie bei Holzinvestments erinnert fühlen. Zu guter letzt: auch seriöse Verbraucherschutzorganisationen (Stiftung Warentest/Finanztest) warnen immer wieder nachdrücklich vor den hier geradezu beispielhaft aufgerufenen grotesken Renditeversprechungen.

Bank- und Kapitalmarktrecht