09.05.2016

Anleihe der Scholz AG: Verlagerung des Unternehmenssitzes unwirksam?

Wie unter anderem die WirtschaftsWoche berichtet, hat möglicherweise das Amtsgericht Aalen die Pläne des Schrottrecyclingsunternehmens Scholz hinsichtlich der Verlagerung des Firmensitzes torpediert.

Im Beschluss des Amtsgerichtes vom 11. April sei festgehalten, dass im Insolvenzfalle das Amtsgericht Aalen zuständig sei. Ursächlich für die Feststellung war der Insolvenzantrag eines Anleihegläubigers gegen das Unternehmen. Dieser hatte seine Anleihen gekündigt und sein Kapital aber nicht zurückerhalten. Der Insolvenzantrag des Investors allerdings wurde für unzulässig erklärt.

Wie bereits mehrfach berichtet wurde, hatte ganz offensichtlich die Scholz Holding über den Umweg der Verlagerung des Unternehmenssitzes nach London den Versuch unternommen, sich elegant ihres bestehenden gigantischen Schuldenberges von nahezu 1 Milliarde € zu entledigen. In die sprichwörtliche Röhre geschaut hätten hier insbesondere die Anleihegläubiger, darunter auch viele Kleinanleger. Man hätte geneigt sein können, von einer generalstabsmäßig geplanten faktischen Enteignung zu sprechen. Das unbesicherte Papier (WKN: A1MLSS / ISIN: AT0000A0U9J2) steht inklusive des im März aufgeschobenen Coupons schon alleine für nahezu 200 Millionen € Schulden der Unternehmensgruppe.

Die Entscheidung des Amtsgerichtes Aalen nun wird ganz offensichtlich von der Scholz Unternehmensgruppe mindestens infrage gestellt, wie die Wirtschaftswoche weiter ausführt - es werde weiterhin eifrig mit dem Finanzinvestor KKR Credit über einen Einstieg verhandelt. Der Aalener Beschluss fuße jedenfalls auf der sachverständigen Feststellung des  Schlecker-Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz, dass ein Mittelpunkt der "wirtschaftlichen Tätigkeit der Schuldnerin in London" nicht feststellbar sei.

Scholz wiederum widerspreche dieser Darstellung: renommierte Kanzleien hätten schließlich den Umzug nach London eskortiert. Überhaupt liege eine Insolvenz weder nach deutschem noch nach englischem Recht vor, man verhandele über "eine umfassende Rekapitalisierung" der Bilanz. Kleiner Schönheitsfehler: Vorbedingung der Zuführung langfristigen Kapitales in substantiellem Umfang sei nun einmal die erhebliche Reduzierung bestehender Schulden. Dies jedenfalls sei auf Grundlage der "angestrebten einvernehmlichen Lösung" ... "im besten wirtschaftlichen Interesse aller Finanzgläubiger". Spätestens hier dürfte betroffenen Kleinanlegern das vielzitierte Messer in der Hosentasche aufgehen.

Bank- und Kapitalmarktrecht