14.02.2016

Ausfall der Exer D-Anleihe: Geschäftsführer in Haft

Unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet über einen neuerlichen mutmaßlichen Anlageskandal rund um die Rückzahlung der durch die Zweckgesellschaft Exer D GmbH Anfang 2011 begebenen Anleihe.

Die Exer D GmbH hatte hier Kapital eingesammelt zugunsten der italienischen Stromhandelsgesellschaft Exergia, welche wiederum zum auf Erneuerbare bzw. Grüne Energien spezialisierten Familienkonzern F.I.S.I. gehört. Die Anleihe wurde bis zum 27. Januar gehandelt und wäre zum 1. Februar fällig gewesen.

Tatsächlich hatten die Anleihegläubiger von ihren Banken pünktlich Rückzahlungs-Gutschriften erhalten. Diese jedoch wurden nachträglich storniert, da die als Zahlstelle fungierende M-Bank ihrerseits am 4. Februar die Rückzahlung ausgesetzt hatte. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, waren die Gelder von der Gesellschaft bis dahin nicht eingetroffen. Bereits im Vorfeld hatte es allerdings im Firmenkonglomerat erhebliche Unregelmäßigkeiten gegeben, um die Sachlage behutsam zu umschreiben.

Bereits im Geschäftsjahr 2013 hatte der Konzern nach Berichten italienischer Zeitungen ein gigantisches Defizit von 3,5 Milliarden € angehäuft, wie die FAZ darlegt. Infolge sollen einige der involvierten Firmen von Amts wegen in Konkurs geschickt worden sein. Die Rede ist überdies von 300 Millionen € Steuerschulden. Gegen Ende des Jahres 2014 sei daraufhin gegen Geschäftsführer Marco Marenco, der wohl ebenfalls die maßgebliche Figur in der Firmenholding F.I.S.I. darstellt, Haftbefehl ergangen. Die Vorwürfe lauteten hier auf betrügerischen Konkurs sowie Steuerbetrug. Infolge war Marenco untergetaucht, allerdings alsbald im schweizerischen Exil verhaftet und im September 2015 an die italienischen Behörden ausgeliefert worden, wo er seither in Untersuchungshaft sitzt. Wie zu hören ist, versuche Marenco, auf dem Verhandlungswege eine Haftstrafe von nicht mehr als fünf Jahren zu erreichen. Ob der mutmaßliche Delinquent dieses Ziel erreichen wird, scheint unsicher - immerhin wird die gesamte Geschichte als größter Wirtschaftsskandal seit Parmalat im Jahre 2003 gehandelt.

Die geschädigten Investoren in die Exer D GmbH-Anleihe dürften derlei Gedankenspiele tatsächlich weniger interessieren. Fraglich steht hier tatsächlich vielmehr, wer hier möglicherweise außer Geschäftsführer Marenco für die exorbitanten Verluste verantwortlich zeichnet und gegebenenfalls haftbar wäre. Wir empfehlen jedenfalls dringend allen Betroffenen, umgehend mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Vertretung alle rechtlich möglichen Schritte zur Geltendmachung und Durchsetzung von bestehenden Schadensersatzansprüchen zu prüfen und gegebenenfalls zeitnah in die Wege zu leiten.

Bank- und Kapitalmarktrecht