09.08.2016

Barclays-Betrug mit Antonio Giancola: Es ist eine alte Geschichte...

In einem längeren Artikel berichtet das Handelsblatt über eine neuerliche und kaum glaubliche Betrugsgeschichte - die allerdings in Gestalt der im wesentlichen handelnden Person Antonio Giancola bereits seit einigen Jahren den grauen Kapitalmarkt mit hellrot leuchtenden Warnsignalen illuminierte.

Beispielhaft das Finanzmarkt-Nachrichtenportal GOMOPA (GOLDMAN MORGENSTERN PARTNERS) dokumentierte bereits im Jahre 2013 Vorwürfe geprellter Anleger, die auf Geschäfte in Barclays-Filialen hinwiesen.

Heute wie damals ähneln sich die Beschreibungen der Vorgehensweise des Herrn Giancola. Die arglosen Opfer wurden zu einer Filiale der englischen Bank Barclays bestellt, beim gemeinsamen Betreten der Geschäftsstelle wurde Giancola vom Filialleiter persönlich begrüßt und an einen Tisch geleitet. Nach kurzer Besprechung der grundsätzlichen geschäftlichen Vorgehensweise sei ein weiterer bestens gekleideter Mann hinzugekommen, extra zur Vertragsunterzeichnung, vorgestellt als Giovanni Trappani, angeblich Leiter der Barclays-Direktion in Milano.

Geködert wurden die Geschädigten durch extrem hohe Renditeversprechungen von bis zu 36 % pro Halbjahr. Möglich sein sollten diese Phantasierenditen angeblich durch sogenannten Eigenhandel innerhalb der Bank. Das seriöse Auftreten der beiden Herren, die offensichtliche Einbindung in die normale Geschäftstätigkeit der Barclays-Bankfiliale und die zunächst tatsächlich rückfließende hohe Verzinsung sorgten für nachhaltiges Zerstreuen der letzten Zweifel an dem dubiosen Geschäftsmodell, manch einer der Geprellten stockte seine Einlagen nochmals massiv auf. Einige Dutzend Gutgläubige sollen dem mutmaßlichen Betrüger auf den Leim gegangen sein, die Rede ist von 30 Millionen €, die verschwunden sein sollen. 

Antonio Giancola selber sitzt zwischenzeitlich nach übereinstimmenden Berichten in der Ostschweiz in Untersuchungshaft. Bereits seit geraumer Zeit hatten die Schweizer Behörden gegen ihn ermittelt, in Rede stand u. a. der Vorwurf der Bilanzfälschung der von ihm als Vorstand vertretenen go!nnovate Swiss Holding AG. Diese wiederum ist ausweislich des Handelsregisters zwischenzeitlich in Liquidation befindlich, auch Giancolas eigene Sportvermittlung, die Macom Sport & Management AG, ist mittlerweile aus dem Register gelöscht. Alleine auf seinem LinkedIn-Profil lächelt Hobbyrennfahrer Antonio seinen virtuellen Besuchern als Geschäftsführer und Unternehmensinhaber noch vertraulich zu.

Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu... - reimt Heinrich Heine in seinem "Buch der Lieder". In doppelter Weise mag sich der ein oder andere Betrachter an diese Worte erinnert fühlen - und insbesondere als Betroffener gleichzeitig die Frage stellen, wer möglicherweise für den entstandenen Schaden nebst dem feinen Hobbysportler verantwortlich zu machen sein könnte. Abgesehen von dem vorgeblichen Barclays-Direktor aus Mailand rücken hier zweifellos die Verantwortlichen der Filiale in den Fokus, in der die Vertragsverhandlungen hochöffentlich stattfanden. Selbst für den Fall, dass hier eine Mitwisserschaft der kriminellen Geschäfte nicht nachgewiesen werden könnte, dürfte jedenfalls die offensichtliche Fahrlässigkeit haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Bank- und Kapitalmarktrecht