06.08.2016

BWF-Stiftung/Goldskandal: Gute Aussichten für Schadenersatz - Geschädigte müssen aktiv werden

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschäftigt sich erneut mit dem Falschgold-Skandal rund um die Berliner BWF-Stiftung. In einer ganzen Reihe von Gerichtsverfahren wurde den geprellten Anlegern Schadensersatz zugesprochen, und zwar von den Vertretern, Anlageberatern und Vermittlern.

Diese hätten nach Ansicht der Gerichte nicht ausreichend auf die Risiken und insbesondere auch auf die zahlreichen Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem dubiosen Anlagemodell des Unternehmens hingewiesen.

Noch sind nicht alle Urteile rechtskräftig. Die FAZ verweist aber beispielhaft auf ein Urteil des Verdener Landgerichtes, das soeben Rechtskraft erlangt hat. Hier hatte ein örtlicher Versicherungsmakler einem bodenständigen Ehepaar nahegelegt, in diesen unruhigen Zeiten doch besser bestehende Lebensversicherung aufzulösen und freiwerdende Gelder in raffinierte Goldinvestments  anzulegen, und zwar dezidiert zur Altersvorsorge.

Solcherart ermuntert reihten sich die beiden stolzen Besitzer von Wertpapieren namens „Gold Standard“ und „Gold Plus“ ein in die Phalanx von rund 6000 gutgläubigen Investoren, die insgesamt rund 54 Millionen € an die Berliner "Stiftung" überwiesen. Einer der großen Aufhänger für die Werbetätigkeit dieser "Firma" stützte sich auf die weitverbreitete Euroskepsis, zitiert wurde unter anderem Bundesbankpräsident Jens Weidmann mit kritischen Aussagen über die grundsätzliche Stabilität von Papiergeldwährungen. 

Die BWF-Stiftung warb mit hohen Renditen von 150-180 % für Laufzeiten von 7-8 Jahren, erwirtschaftet werden sollte das durch den Handel mit den Goldbarren, die für die Anleger von der Stiftung aufbewahrt und verwaltet werden sollten. Nach dem Auffliegen des Schwindels und großangelegten Razzien im vergangenen Jahr hat nun ein Gerichtsverfahren gegen mutmaßlich Beteiligte begonnen, die angesetzten über 50 Verhandlungstage werden sich bis ins Jahr 2017 hineinziehen. Darüberhinaus laufen Insolvenzverfahren für eingebundene Gesellschaften.

Da der überwiegende Teil der Goldvorräte sich als sogenannte Doubletten, sprich Fälschungen herausstellte, muss bedauerlicherweise davon ausgegangen werden, dass aus dem Kreise der Beklagten heraus sowie im Zuge der ordentlichen Insolvenzverfahren kaum etwas für die Geschädigten zu holen sein wird. Insoweit dürfte es in den meisten Fällen erfolgversprechender sein, gegen die verantwortlichen Vermittler und Berater vorzugehen. In aller Regel kann hier wohl angenommen werden, dass eine Pflichtverletzung bezüglich der Plausibilitätsprüfung der Anlageprodukte vorliegt. Im vorliegenden Verdener Falle entschied das Gericht auf vollständigen Schadensersatz für das Ehepaar und wies dem Vermittler im Gegenzug Ansprüche gegenüber der BWF-Stiftung zu. Wir empfehlen Betroffenen dringend, möglichst umgehend mit erfahrener antwaltlicher Hilfe die weitere Vorgehensweise zu prüfen und zeitnah entsprechende Schritte in die Wege zu leiten.

Bank- und Kapitalmarktrecht