19.05.2016

CashCloud AG: BaFin warnt vor Kaufempfehlung durch Börsenbriefe

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt vor dem Erwerb von Aktien der
CashCloud AG (ISIN: CH0132106482) alleine aufgrund von Empfehlungen durch per E-Mail versandter Börsenbriefe.

Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass hier pflichtwidrig Interessenskonflikte verschwiegen würden, falsche und/oder irreführende Angaben gemacht würden. Vor diesem Hintergrund sei eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Marktmanipulation eingeleitet worden.

Eine Reihe seriöser Presseorgane beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema. Im Verlauf der knapp einjährigen Börsenhistorie habe es jedenfalls eine Reihe auffälliger Chartbewegungen gegeben, wie beispielhaft das Handelsblatt schreibt. Allzuviel Freude hatten jedenfalls die Aktionäre der ersten Stunde mit den Anteilsscheinen nicht - außer sie verkauften zum nach wenigen Wochen erreichten Höchststand von knapp zehn Euro. Kurz danach allerdings knickte der Kurs massiv ab und notierte zwischenzeitlich als Pennystock. Bereits damals gab es allerhand Auffälligkeiten: ganz offensichtlich ließen sich Kleinanleger in großer Zahl durch den geradezu ekstatischen Enthusiasmus im Hinblick auf die vermeintliche weitere Geschäftsentwicklung zum Kauf der Papiere verleiten, der beispielhaft über auf der vom skandalgeplagten Reisekonzern Unister betriebenen Internetplattform boersennews.de geschalteten Werbeanzeigen angefacht wurde.

Auch das zugehörige Personal hat bereits für internationale Schlagzeilen gesorgt: manch einer dürfte sich an den vormaligen Politikberater und jetzigen CashCloud-CEO Moritz Hunzinger erinnern, der seinerzeit großzügig mit Rudolf Scharping zum Hosenkauf shoppen ging. Einer der Finanziers der ersten Jahre könnte darüberhinaus dem einen oder anderen Motorsportbegeisterten erinnerlich sein: S. K. wurde vor nicht allzu langer Zeit als derjenige gefeiert, der den "most expensive car crash in history" hingelegt habe. Anfang 2011 setzte der Eigentümer der Tuningfirma Gemballa seinen millionenschweren Pagani Zonda F Clubsport Roadster bei kolportiertem Tempo 320 in eine italienische Autobahnleitplanke und überlebte nahezu unversehrt - nicht der erste Vorfall in Korbachs Vita mit exzessiven Geschwindigkeitsübertretungen, wie eine kurze Internetrecherche ergibt.

Wie das Handelsblatt weiter ausführt, stehe nach Auskunft von Hunzinger dessen Geschäftspartner S. K. dem Unternehmen immer noch sehr nahe. Obwohl dieser gerade erst seinen knapp 20-prozentigen Aktienanteil verkauft habe, stecke er nach wie vor "Monat für Monat 300.000-400.000 €" in die Firma. Hauptanteilseigner sei zwischenzeitlich die Investmentgesellschaft SPP Capital, die wiederum einem Geschäftspartner von S. K. gehöre. Mit den von der BaFin benannten Börsenbriefen habe CashCloud nichts zu tun, man habe diese weder beauftragt noch könne man sie verhindern, wie Hunzinger mitteile.

Wir empfehlen allen Investoren dringend, entsprechende Kaufempfehlungen für Aktieninvestments oder andere Kapitalanlagen in Form von Telefonwerbung ("cold calls"), massenhaft verschickten Faxschreiben und in welcher Form auch immer verbreiteten "Börsenbriefen" mit größter Vorsicht zu betrachten. Die Erfahrung zeigt, dass hier immer wieder gezielt ahnungslose Anleger auch in vollkommen wertlose oder jedenfalls grotesk überbewertete Anlageformen gelockt werden. In aller Regel ist es anschließend äußerst schwierig, entsprechende Marktmanipulationen nachzuweisen, auch wenn es in manchen Fällen gelingt, die Verantwortlichen im Nachgang zur Rechenschaft zu ziehen.

Bank- und Kapitalmarktrecht