05.11.2015

Concept 1, Inh. Jens Blaume - Schadenersatz durch Oberlandesgericht bestätigt

Das Oberlandesgericht Nürnberg hat in einer Reihe von Verfahren einen Rechtsanwalt im Zusammenhang mit dem von ihm erstellten Prüfungsbericht zu Schadensersatz gegenüber Anlegern verurteilt.

Entgegen bisheriger Urteile des Landgerichts Nürnberg-Fürth bestätigte das Oberlandesgericht Nürnberg zwischenzeitlich die grundsätzliche Haftung des Rechtsanwaltes für sämtliche Fälle, in welchen die Kausalität der Anlageentscheidung sowie der Nachweis zu den getätigten Investitionen auf die Anlagen nicht infrage steht. Der beklagte Rechtsanwalt aus Neumarkt hatte in Bezug auf das Unternehmen Concept 1, Inh. Jens Blaume in einem umfassenden "Prüfungsbericht" eine erhebliche Anzahl an Bestätigungen und Feststellungen getroffen, die objektiv falsch bzw. unzutreffend waren. Das Landgericht hatte in mehreren Verfahren hierzu ursprünglich nachfolgende Feststellung getroffen und die Klagen der betroffenen Anleger  im Ergebnis abgewiesen:

„Auch wenn der Beklagte vorliegend zweifelsohne auf an sich notwendige Prüfungshandlungen verzichtet hat und damit bei der Erstellung des Prüfberichts leichtfertig und grob pflichtwidrig gehandelt hat, so ist der Beklagte selbst unwiderlegt durch Jens Blaume mit falschen Unterlagen und Informationen getäuscht worden. Überdies ist die Einwendung des Beklagten, er habe auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Herr Blaume die streitgegenständlichen Anlagegeschäfte bereits über Jahre handhabte, zu keinem Zeitpunkt an deren Seriosität gezweifelt, für das Gericht zumindest nachvollziehbar, so dass dem Beklagten ein gewissenloses, den Schaden Dritter zumindest billigend in Kauf nehmendes Verhalten nicht vorgeworfen werden kann.“

Das Oberlandesgericht Nürnberg hat diese Entscheidungen nun aufgehoben und in einer Reihe von Verfahren den Beklagten aufgrund seiner Stellung als Experte im Zusammenhang mit dem von ihm erstellten Prüfungsbericht zu Schadensersatz gegenüber Anlegern verurteilt. Hierbei hat das Gericht eine Reihe von Feststellungen dahingehend getroffen, dass der durch den Rechtsanwalt erstellte Prüfbericht gleich in mehreren, für die Anleger aber entscheidenden Punkten, objektiv falsch ist. Nach Auffassung des 13. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Nürnberg ist der Prüfbericht auch geeignet, Anleger in ihrer Anlageentscheidung unzutreffend zu beeinflussen und zur Investition zu veranlassen.

Insbesondere diejenigen Anleger, die die erste Anlage bei der Firma Concept 1 erst nach Kenntnisnahme von diesem Prüfungsbericht gezeichnet haben, gewinnen bei glaubhafter und widerspruchsfreier Schilderung der Anlageentscheidung das Schadensersatzverfahren gegen den zu Schadenersatz verurteilten  Rechtsanwalt.

Bank- und Kapitalmarktrecht