18.03.2016

Falschgold der BWF-Stiftung: Anklageerhebung durch Staatsanwaltschaft

Wie unter anderem das Handelsblatt berichtet, hat die zuständige Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs verdächtige Verantwortliche erhoben, von denen drei bereits in Untersuchungshaft sitzen.

Die Vorwürfe lauten unter anderem auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug, es drohen Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Es gilt als hoch wahrscheinlich, dass das Berliner Strafgericht die vorliegende Anklageschrift auch zulassen wird.

Die BWF-Stiftung (Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung) hatte tausende Privatanleger mit dem Versprechen geködert, physisches Gold für sie zu kaufen und es praktischerweise auch gleich selber einzulagern. Durch Handel mit dem Edelmetall sollte eine hohe Rendite erzielt werden, welche unabhängig von der Entwicklung des Goldpreises später wieder an die Anleger ausgeschüttet werden sollte.

Zweifelnde Investoren wurden in den durch die BWF-Stiftung betriebenen Lagerkeller geführt, in dem sich tatsächlich rund 4 t später sichergestellte Barren befanden. Diese erwiesen sich jedoch überwiegend als sog. “Doubletten“. Im Zuge der insoweit durchgeführten Razzia war unter anderem auch eine Rechnung einer Schwarzwälder Firma gefunden worden, die Attrappen von Goldbarren vertreibt. Wie das Handelsblatt schreibt, sei diese Rechnung im Nachgang gefälscht und sodann unter "Betriebskosten" abgeheftet worden.

Das Goldanlagemodell der BWF-Stiftung war im wesentlichen über ein Netzwerk von privaten Vermittlern vertrieben worden, die hierfür in eigens betriebenen und als "Campus" bezeichneten Ausbildungsstätten in den Städten Köln, Hamburg und Berlin "geschult" wurden. Es liegt immerhin der Verdacht nahe, dass dieser Personenkreis mindestens Ahnung von den krummen Geschäften hatte und insoweit auch für den Anlageskandal haftbar gemacht werden könnte. Ein erfolgreiches Urteil vor dem Nürnberger Landgericht liegt in dieser Hinsicht mittlerweile vor.

Wie das Handelsblatt weiter ausführt, scheint sich die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen gegen die Stiftung selber schwierig zu gestalten: noch nicht einmal die Eigentumsverhältnisse für den geringen Anteil echten Goldes im konfiszierten Lagertresor seien klar. Der Stiftung übergeordnet gewesen sei eine sogenannte TMS Dienstleistungs GmbH, die für den Handel mit den echten und vermeintlichen Goldbarren zuständig war und ebenfalls Eigentumsansprüche erhebe.

Wir empfehlen allen betroffenen Geschädigten nochmals nachdrücklich, umgehend mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Vertretung alle rechtlich gangbaren Wege in diesem Sinne zu prüfen und gegebenenfalls zeitnah zu beschreiten. Gerne dürfen Sie uns in dieser Hinsicht kontaktieren.

Bank- und Kapitalmarktrecht