13.04.2016

Forest Finance: "proaktiv" Genehmigung durch die BaFin beantragt?

Das Handelsblatt setzt sich in einem ausführlichen kritischen Bericht mit sogenannten Holzinvestments auseinander, hier im speziellen mit dem deutschen Unternehmen Forest Finance.

Insgesamt seien durch das Unternehmen in den vergangenen Jahren etwa 90 Millionen € bei rund 17.000 Investoren eingesammelt worden, wobei die Geldanlagen dem geschätzten Anleger über "mittlere Renditeprognosen" beispielhaft im Falle des "Woodstock-Invest" sowie des "Cacao-Invest" von gut 6% bis 7,5 % schmackhaft gemacht wurden. Selbstverständlich sucht sich ein jegliches Unternehmen in der Außendarstellung besonders farbenfroh und prächtig zu präsentieren - im Falle von Forest Finance erblickt der geneigte Interessent auf der Webseite hellgrüne Farben, glückliche Kinder und geschäftige Waldarbeiter.

Die Idylle, so das Handelsblatt, wird nun durch die Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einigermaßen jäh eingetrübt: seit im vergangenen Sommer im Nachlauf des gigantischen Prokon-Anlageskandales das neue Anlegerschutzgesetz in Kraft getreten und die letzten Übergangsfristen zum Jahreswechsel ausgelaufen waren, sind die Akteure auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt auch für Produkte im Direktvertrieb prospektpflichtig, wobei die Prospektierung den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und durch die BaFin gebilligt worden sein muss.

Nach Informationen des Handelsblattes ruhe nun bereits seit Wochen der Vertrieb bei Forest Finance, Vertriebspartnern gegenüber werde dies mit der Aussage begründet, die Verkaufsprospekte würden "proaktiv einer Genehmigung durch die Finanzaufsicht BaFin" unterzogen. Eine durchaus eigentümliche Formulierung: selbst erfahrene Finanzfachleute hätten keine Kenntnis von der Fachterminologie "proaktive Genehmigung", so das Handelsblatt. Offenbar hatte allerdings das Unternehmen darauf gebaut, um eine Prospektpflicht für die dortig vertriebenen Produkte herumzukommen, das Anlegerschutzgesetz scheint insoweit partiell Auslegungssache zu sein. Extra zu diesem Zwecke angefertigte Rechtsgutachten seien bei der BaFin eingereicht worden, die hier allerdings wohl auf Ablehnung stießen. Vielmehr habe die Behörde nach Informationen des Handelsblattes auf der Prospektpflicht bestanden, auch wenn der gesamte Vorgang gegenüber der Wirtschaftszeitung nicht kommentiert worden sei.

Offensichtlich hat die BaFin die gesamte Branche ins Visier genommen: der Berliner Lignum Sachwert Edelholz AG wurde kurzerhand der Vertrieb ihrer Produkte "Nobilis Vita", "Nobilis Priva" und "Nobilis Rent" bis auf weiteres respektive bis zum Vorliegen entsprechend geprüfter und gebilligter Prospekte untersagt. Auch der bayerische Wettbewerber Miller Forest hat den Vertrieb seiner Anlageofferten einstweilen eingestellt und verkündet auf der Webseite, Prospekte zu erstellen und um die Genehmigung der Vertriebsunterlagen durch die BaFin zu ersuchen.

Bereits im vergangenen Herbst hatte die Behörde das Einlagengeschäft der Klever AgroFinanz GmbH untersagt und die unverzügliche Rückabwicklung angeordnet. In besonders unguter Erinnerung dürfte aufmerksamen Marktbeobachtern immer noch die Pleite der Green Planet AG aus Frankfurt vor etwa zwei Jahren sein: 20 Millionen € hatten rund 700 Kleinanleger in Kautschuk und Teak investiert. Wegen Anlegerbetruges war der Unternehmenschef und -Gründer im vergangenen Herbst zu knapp sieben Jahren Haft verurteilt worden, die geprellten Investoren dürften indes von ihrem Kapital kaum mehr etwas wiedersehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Vorstandschef hat Revision eingelegt.

Ein anderer Gesichtspunkt ist die Frage nach der jeweilig versprochenen und realistischerweise erwartbaren Rendite von Investitionen im Wald- beziehungsweise Plantagensektor. Allein, auch hier findet das Handelsblatt in seinen Betrachtungen kaum mehr als bohrende Zweifel an den hellgrünen Darstellungen der Anbieter. Im Falle der in Rede stehenden Forest Finance gab es hier ganz offensichtlich erhebliche Sprünge bei den Kosten der vertriebenen Produkte: der Hektar des Hauptproduktes "Woodstock Invest" sei 2005 noch für 15.000 € erhältlich gewesen, wenige Jahre danach wurden erstaunliche 35.500 € aufgerufen. Wie das Handelsblatt weiter ausführt, werden nach den Angaben von Informationsbroschüren des Unternehmens bis zu 320.000 € an Ertrag für diesen Hektar nach 25 Jahren Laufzeit versprochen - offensichtliche Fantasiezahlen, die jeder auch nur ein wenig mit Forstwirtschaft befasste Anleger als pure Illusion bezeichnen muss. Das Handelsblatt zitiert einen Sprecher des Unternehmens mit den Worten, diese Angaben seien zwar "in der Tat unrealistisch",... "aber eben nicht völlig". Eine hoffnungsfrohe Aussage fürwahr - sobald die BaFin die Prospektierung nach formalen Gesichtspunkten gebilligt hat, geht der Vertrieb weiter...

Bank- und Kapitalmarktrecht