10.03.2016

German Pellets-Ausfall: wer haftet für das Desaster?

Obwohl sich in den vergangenen Wochen eine Vielzahl seriöser Wirtschaftsblätter mit den Vorgängen um die Insolvenzen der German Pellets-Unternehmensgruppe beschäftigt hat, liegen nach wie vor die genaueren Umstände dieser gigantischen Pleiteaffäre im Dunkeln. Allerdings sind einige interessante Personalien in den Fokus der Berichterstattung geraten.

Da gibt es zunächst die Figur des Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters Hans-Dieter Alt, der seit Jahrzehnten eine beherrschende Rolle auch in der Fuldaer Kommunalpolitik spielt. Bereits seit Mitte der achtziger Jahre Stadtverordneter sowie Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses reicht Alts Einfluss über Bei- und Aufsichtsratsmandate sowie Vorstandsposten auch in regionale Verbände und Unternehmen. Heftig unter Beschuss kam Alt nun durch die intensiven Recherchen des Handelsblattes, das in einem ausführlichen Artikel Alts Rolle in sowohl handelnder als auch kontrollierender Funktion innerhalb der German Pellets-Unternehmensgruppe beleuchtete.

Besonders pikant in diesem Zusammenhang erscheint insbesondere vor dem Hintergrund der vergleichsweise überschaubaren Unternehmensgröße die Honorierung des Hans-Dieter Alt. Wie das Handelsblatt aufschlüsselt, bekam Alt alleine für seine Tätigkeit als Abschlussprüfer der German Pellets GmbH innerhalb weniger Jahre mehr als 3 Millionen €. Viel Geld für eine Aufgabe, die üblicherweise nach Stundensätzen abgerechnet wird.

Hans-Dieter Alt fungiert darüber hinaus als Vorstand der Pele-Privatstiftung, die Peter Leibolds Familie zugeordnet ist. Über diese Stiftung wiederum flossen dreistellige Millionenbeträge unter anderem aus den begebenen Anleihen als Ausleihungen an Firmen in den USA. Da diese Firmen nur indirekt über Bürgschaften und Liefergarantien mit German Pellets verknüpft sind, hat die Insolvenzverwaltung zumindest vorläufig keinen Zugriff auf eventuell hier noch vorhandenes Kapital. Das Handelsblatt weist in diesem Zusammenhang auf die mögliche Verantwortlichkeit auch des Hans-Dieter Alt auf die Verbringung deutscher Anlegergelder ins Ausland hin.

Mindestens die lokale CDU sowie der Landesverband dürften die Berichte der vergangenen Wochen über ihre „Graue Eminenz“ (so ein kommunalpolitischer Insider) mit einigem Entsetzen betrachtet haben, besonders vor dem Hintergrund der am vergangenen Wochenende stattgefundenen Kommunalwahlen. Tatsächlich hat die CDU in ihrer Hochburg Fulda schmerzhafte Einschnitte hinnehmen müssen und die gewohnte absolute Mehrheit verloren. Die Personalie Alt dürfte hier mindestens zum Teil eine Rolle gespielt haben.

Auch die Wiener Zeitung hat sich intensiv mit den Vorgängen in und um das German Pellets-Unternehmensgeflecht beschäftigt. In Wien ansässig ist nämlich nicht nur die bereits erwähnte Pele-Privatstiftung, sondern weitere Gesellschaften und Stiftungen, die dem Konglomerat zugehörig sind. Die Rede ist hier unter anderem von der IPBG Pellets Beteiligungs GmbH, der Pele Holding GmbH, der German Pellets Austria GmbH, der VMH Holding GmbH, der Efkrin-Privatstiftung sowie der Bclever (sic!) GmbH. Die Komplexität der gegenseitigen „cleveren“ Verknüpfungen sowie der jeweiligen Transfers von Kapital und Zugehörigkeiten übersteigt in diesem Rahmen die Darstellungsmöglichkeit.

Es kommen aber zusätzliche interessante Namen ins Spiel: in geschäftsführender Tätigkeit sowie als Vorstände tätig sind beziehungsweise waren hier unter anderem Ernö Horvath, Stefan Malaschofsky, Daniela Glückselig und Wolfgang Zronek. Wie die Wiener Zeitung schreibt, haben ganz offensichtlich die hier beteiligten Personen wenig Interesse an Kommunikation: teilweise abgetaucht, im Ausland oder sonstig nicht erreichbar zitiert in einer der wenigen Wortmeldungen das Handelsblatt immerhin Herrn Wolfgang Zronek mit den Worten: "Ich will meinen Namen nicht in der Zeitung lesen". Zuvor habe er mitgeteilt, alle Mandate, die in irgendeinem Zusammenhang mit Peter Leibold stünden, niedergelegt zu haben.

Offiziellen Angaben zufolge wird jedenfalls bis zur Stunde gegen die in Wien ansässigen und mit German Pellets verbundenen Institutionen sowie die hier handelnden Personen nicht ermittelt, wie u.a. auch das Handelsblatt ausführt. Wie die Wiener Zeitung schreibt, sei der gesamte Fall der Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft bislang gar gänzlich unbekannt. Im Fokus der Ermittlungen wegen Veruntreuung und Unterschlagung der zuständigen Rostocker Staatsanwaltschaft stünden bislang ausschließlich "verantwortliche Mitarbeiter" von German Pellets. Für alle gelte die Unschuldsvermutung.

Wir prüfen momentan die weitere Vorgehensweise im Auftrag unserer umfangreichen Mandantschaft in dieser Angelegenheit. Gerne dürfen Sie als betroffener Anleger sich in diesem Sinne an uns wenden.

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