12.08.2016

German Pellets-Pleiteskandal: Familie Leibold mischt wieder mit

Wie die WirtschaftsWoche exklusiv berichtet, ist offensichtlich die Gründerfamilie des insolventen Holzpellet-Herstellers German Pellets wieder zurück im Geschäft.

German Pellets-Unternehmensgründer und vormaliger Geschäftsführer Peter Leibold hatte - wie vielfach berichtet - noch rechtzeitig vor Beginn der Domino-Insolvenzen innerhalb der Unternehmensgruppe Teile des Vertriebs von Holzpellets auf ein frisch gegründetes Unternehmen (08.12.2015) seiner Tochter Kathrin Wiedmer übertragen.

Kathrin Wiedmer, einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Mitteldeutsche Pellet Vertriebsgesellschaft GmbH (MPV) verantwortete fortan den Vertrieb für die drei mittlerweile ebenfalls insolventen Woodox-Werke Sachsen GmbH, Sachsen-Anhalt Nord GmbH und Sachsen-Anhalt Süd GmbH. Die Woodox-Werke wurden zwar von German Pellets betrieben, gehörten aber nicht zur Unternehmensgruppe. Offensichtlich war hier der Betrieb auch munter weitergelaufen, nachdem bei German Pellets die Produktion wegen Ersatzteilmangels und fehlendem Nachschub längst stillstand.

Der Einladung zur Hauptversammlung der Hamburger Pellex Bioenergie AG zufolge plant Leibold-Tochter Kathrin Wiedmer sich nun in zwei Schritten an den Woodox-Werken zu beteiligen: sie selber solle Großaktionärin bei Pellex Bioenergie werden - und im Gegenzug den Vertrieb der Woodox-Werke in die Aktiengesellschaft übertragen. Anschließend sei geplant, dass die Pellex Bioenergie AG die Woodox-Werke übernimmt. Als Größenordnung stehen hier 1,8 Millionen € in Rede - nur für das Sachsener Werk. Ein Vorhaben, das nach Informationen der Wirtschaftswoche durch die betroffenen Gläubiger der insolventen Woodox-Firmen im Rahmen einer Gläubigerversammlung bereits Anfang August abgenickt worden ist, nur die österreichische Heta müsse noch die Freigabe von Grundschulden bestätigen.

Die betroffenen beziehungsweise geschädigten Inhaber von Genussrechten sowie Halter von Anleihen der German Pellets dürften diese neuerlichen Wendungen mit einem gewissen Ingrimm zur Kenntnis nehmen. Beinahe als Randnotiz erscheint da die weitergehende Meldung, dass offensichtlich Tochter Kathrin ihren fürsorglichen Vater Peter zum Geschäftsführer einer ihrer MPV-Tochterunternehmen gemacht habe. Manch einem dürfte hier die bewährte deutsche Redewendung der ins sprichwörtlich Trockene gebrachten Schäfchen durch den Sinn gehen.

"Der guten Ordnung halber", wie der clevere Unternehmensgründer seinen gutgläubigen Geldgebern anlässlich der Weiterreichung der Vertriebsteile an seine Tochter geschrieben hatte, sollten sich diese unserem Dafürhalten nach um effiziente Wege zur nachdrücklichen Durchsetzung bestehender Schadensersatzansprüche bemühen und diese gegebenenfalls mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Hilfe konsequent beschreiten. Für unsere umfangreiche Mandantschaft in dieser Sache prüfen wir zur Zeit noch die weitere Vorgehensweise in diverse Richtungen.

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