06.10.2016

Helikopter-Siggi und die KTG Agrar-Pleite: Hybris zulasten von Mitarbeitern und Geldgebern

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschäftigt sich erneut in einem umfangreichen Artikel mit der Personalie Siegfried Hofreiter.

Hofreiter, aus einfachen Verhältnissen stammend und bereits in den vergangenen Jahrzehnten mit allerlei Unternehmen pleiteerfahren, hatte im Sommer mit "seiner" KTG Agrar SE eine der größten Insolvenzen jedenfalls betreffend den Markt der sogenannten Mittelstandsanleihen hingelegt.

Im Nachhinein will das drohende Unheil keiner bemerkt haben: Bankanalysten, Journalisten und Aktionäre spielten mit im großen "Illusionstheater mit simplem Plot", so die FAZ. Auch die Wirtschaftsprüfer wollen von nichts gewusst haben und zogen kürzlich ihre Testate zurück. In die Röhre schauen die geprellten Gläubiger, allen voran die rund 10.000 Anleger, die Hofreiter und dem von ihm aufgeblasenen größenwahnsinnigen Imperium rund 350 Millionen € zur Verfügung stellten. Dabei hätte es Warnzeichen eigentlich genug gegeben: der sich sonst so bodenständig gebende Landwirt leistete sich für Millionensummen den eigenen Hubschrauber, dazu Sportwagen und ein stattliches Herrenhaus für allfällige Unternehmenszwecke.

Unterdessen flossen die Anlegergelder in Millionenhöhe - jedenfalls, soweit die Fakten mittlerweile auf dem Tisch liegen - nicht nur in Luxusartikel für Hofreiters Management-Clique sowie in Form von Karussellgeschäften innerhalb der weitverzweigten Konzernstruktur hin und her, sondern eben auch ganz offensichtlich in Form völlig überzogen taxierter Verträge an Unternehmen und Gesellschaften aus Siegfried Hofreiters Familienclan. Als Sahnehäubchen auf das versammelte Melodram passen nun die Berichte über Erwerbe zu Spottpreisen aus der Insolvenzmasse unter anderem durch Markus Ams, gemeinsamer Sohn Siegfried Hofreiters und dessen vormaliger Lebensgefährtin Beatrice Ams. Offenkundig scheint demnach bei Hofreiters ein gewisser Familiensinn ebenso ausgeprägt wie beispielhaft im Falle der German Pellets-Pleite bei Peter H. Leibolds Sippschaft.

Zwischenzeitlich ermittelt, wie wir bereits mehrfach berichtet hatten, die zuständige Staatsanwaltschaft. Dies erscheint im Zusammenspiel mit dem Wegbrechen bisheriger Pfründe für die schweigenden Mitspieler im Konzernmanagement zu allerhand pikanten Szenen im beschaulichen Oranienburg, Unternehmenssitz der KTG Agrar SE zu führen: die Märkische Allgemeine berichtet beispielhaft über eine offensichtlich in Streitigkeiten zwischen alter und neuer Firmenleitung eingebundene Porschefahrerin, die schreiend in Geschäftsräume eingedrungen sei, Inventar demoliert und auf Tische uriniert habe.

Wir prüfen nach wie vor die weitere Vorgehensweise im Auftrage unserer Mandantschaft. Im Fokus stehen dürften hier Schadensersatzansprüche gegen die Verantwortlichen in der Managementstruktur. Darüberhinaus stellt sich möglicherweise zusätzlich die Frage nach Regress auch gegenüber der zuständigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Bank- und Kapitalmarktrecht