21.04.2016

Infinus-Skandal: Unternehmensgründer und Hauptbeschuldigter Biehl knickt ein und sagt aus

Wie eine Reihe unterschiedlicher Medien vermelden, hat offensichtlich die zweieinhalbjährige Untersuchungshaft zwischenzeitlich auch bei dem Hauptbeschuldigten Jörg Biehl ihre Spuren hinterlassen: erstmalig habe er sich nach insgesamt 35 Verhandlungstagen zu den vorliegenden Vorwürfen geäußert.

Fehler seien passiert, das Lob von Prominenten und Fachleuten hätte ihn geblendet, die eingegangenen Risiken seien ihm von Experten umfangreich erklärt und er darüberhinaus aber auch darauf hingewiesen worden, dass diese nicht verboten seien. Beispielhaft die Sächsische Zeitung (SZ) zitiert Biehl mit den Worten: "Ich ging deshalb davon aus, dass alles rechtens ist".

Bewusst sei ihm gewesen, dass die umfangreichen Eigengeschäfte im dreistelligen Millionenbereich innerhalb der Infinus-Gruppe nicht nachhaltig und darüberhinaus riskant waren. Biehl verwies allerdings auch hier darauf, dass ihm von Fachleuten bestätigt worden sei, dies alles wäre zu beherrschen. Nachgerade unterstützt worden wäre er mit seinen Geschäftsstrategien von den eingebundenen Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern. Auch von höchster politischer Stelle aus habe er Anerkennung erfahren, namentlich der vormalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf wird hier von ihm zitiert. Auch die einschlägigen Berater von Prominenten wie Matthias Sammer, Oliver Kahn, Franz Beckenbauer und Katharina Witt hätten vor der Annahme der Einladungen zu den Partys im Hause Infinus seine Geschäftsmodelle unter die Lupe genommen und anerkannt.

Überhaupt versucht Biehl ganz offensichtlich, einen umgänglichen, freundlich-seriösen und auskunftsfreudigen Eindruck gegenüber dem Gericht zu zeigen, bedankt sich zeitweise artig für die dortigen Fragestellungen und betont vielfach, keinesfalls Anlegergelder veruntreut oder gar vorsätzlich betrogen zu haben. Er gesteht allerdings ein, es habe eine "ewige Dauerdiskussion um die Zukunft" der Unternehmensgruppe gegeben, wie die SZ beschreibt. Auch im Hinblick auf den Verkaufsprospekt 2012 sei ein "ewiges Hickhack" mit der Finanzaufsicht im Raume gestanden, die Behörde habe aber immer wieder darauf hingewiesen, ein "vollständiges Versagen" stünde hinsichtlich des Prospektes nicht zur Debatte. Er selber habe allerdings nur einmal am Prospekt mitgearbeitet. Im wesentlichen verantwortlich hierfür seien gewesen die Mitangeklagten Bullin und Pardeike, der unternehmenseigene Hausjurist und Aufsichtsrat sowie der Chefbuchhalter. Festzuhalten bleibt hier, dass eine Verantwortungsübernahme für das entstandene gigantische Desaster - jedenfalls aus unserer Perspektive betrachtet - anders aussieht, Pflichtbewusstsein und der Gedanke an Haftung scheinen nicht erkennbar.

Wir haben für unsere umfangreiche Mandantschaft in dieser Sache Klagen auf den Weg gebracht und darüberhinaus frühzeitig Pfändungsarreste gegen sämtliche Hauptbeschuldigte beantragt und erwirkt. Wir empfehlen nochmals allen bislang untätig gebliebenen geprellten Anlegern in die Finanzprodukte der FuBus/Infinus-Unternehmensgruppe, mithilfe entsprechend erfahrener anwaltlicher Vertretung über die möglicherweise zu erwartenden Rückflüsse in den geordneten Insolvenzverfahren hinaus bestehende Schadensersatzansprüche geltendzumachen und nachdrücklich durchzusetzen zu suchen. Gerne dürfen Sie uns in dieser Hinsicht kontaktieren.

Bank- und Kapitalmarktrecht