28.06.2016

KTG Agrar: Aktien- und Anleihekurse schmieren ab - Hauptversammlung verschoben

Der Aktienkurs der KTG Agrar SE (WKN: A0DN1J ISIN: DE000A0DN1J4) ist zwischenzeitlich auf nurmehr rund drei Euro eingebrochen, die beiden Anleihen 2011/2017 (ISIN: DE000A1H3VN9 | WKN: A1H3VN mit 7,125 %) sowie 2012/2018 (WKN: A11QGQ / ISIN: DE000A11QGQ1 mit einem Kupon von 7,250 %) notieren mittlerweile nur noch zu einem Bruchteil des Nennwertes.

Wie beispielhaft das online-Börsenportal der ARD berichtet, habe nun die Unternehmensleitung völlig überraschend die eigentlich für den 30. Juni angesetzte Hauptversammlung auf den 26. August verschoben. Begründet würde dies unter anderem mit der beginnenden Erntesaison - neben den "aktuellen herausfordernden Aufgaben" des Unternehmens. Die verantwortlichen Manager unter Leitung des "umtriebigen Firmenchefs Siegfried Hofreiter" hätten offensichtlich größte Schwierigkeiten, den eigentlich zum 1. Juni fälligen Coupon für die Anleihe 2011/2017 in Höhe von rund 15 Millionen € aufzutreiben, so die ARD.

Die Ausschüttung war zunächst auf den 14. Juni, dann auf den ursprünglich angesetzten Termin für die Hauptversammlung am 30. Juni verschoben worden. Weitere Informationen gebe es zur Stunde nicht. Auch die genaue Lektüre der aktuellen Bilanz erhelle die Lage nicht weiter, offene Forderungen von etwa 218 Millionen € blieben hinsichtlich Herkunft und Zusammensetzung nebulös, ein Thema, mit dem sich kürzlich schon das Magazin Finance beschäftigt hatte. Da das Unternehmen Quartalsberichte nicht erstelle respektive veröffentliche, sei mit aktuelleren Zahlen erst zur Halbjahresaufstellung im September zu rechnen.

Im September wiederum wird der Coupon der zweiten ausstehenden Anleihe fällig. Das Unternehmen hatte hier neben den 200 Millionen € des ersten Zinspapieres weitere 50 Millionen € eingesammelt. Die betroffenen Anleger dürften sich mittlerweile die Frage stellen, wie belastbar die Zusagen der KTG Agrar SE noch sein können. Das Börsenportal der ARD jedenfalls zitiert einen Anleihenexperten mit den Worten: "Das riecht nach Insolvenzniveau".

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass entsprechend der Anleihebedingungen nicht erfolgte Zinszahlungen nach 30 Tagen über ein außerordentliches Kündigungsrecht fällig gestellt werden können, muss der erfahrene Marktbeobachter hier davon ausgehen, dass es tatsächlich kurzfristig zu einer Zahlungsunfähigkeit kommen könnte. Vor dem Hintergrund der beschriebenen Intransparenz jedenfalls wird es den verantwortlichen Managern schwerfallen, bei den betroffenen Aktionären und Anleihegläubigern das ganz offensichtlich verlustig gegangene und dringend benötigte Vertrauen wiederherzustellen. Hier dürften auch keine Verweise auf die beginnende Erntesaison helfen.

Bank- und Kapitalmarktrecht