09.09.2016

KTG Agrar-Anleihe: Wirtschaftsprüfer im Gülle-Strudel?

Neuerlicher Paukenschlag im Skandal um die Pleite der KTG Agrar SE: die Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Möhrle Happ Luther hat ihre Testate für den Jahresabschluss 2015 für die KTG Agrar sowie den Konzernabschluss widerrufen.

Dies jedenfalls berichtet exklusiv die WirtschaftsWoche. Am späten Donnerstagabend sei im Rahmen der "Veröffentlichung einer Insiderinformation" klargestellt worden, dass die im Zuge der Testierung festgehaltene Werthaltigkeit von Vermögensgegenständen nicht gegeben gewesen sei. „Der Rechtsschein der Werthaltigkeit von Vermögensgegenständen zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestätigungsvermerkes am 12. Mai 2016“ solle „vor Einleitung eines Insolvenzverfahrens beseitigt werden“, so zitiert WirtschaftsWoche-Autorin Annina Reimann.

Späte Einsicht - und ganz besonders pikant vor dem Hintergrund von Dokumenten, die der Wirtschaftswoche vorliegen. Diese offenbaren ganz offensichtlich, dass die Herren Wirtschaftsprüfer bereits um den Zeitpunkt der Erstellung der Testate heftige Zweifel an der Plausibilität der vorliegenden Zahlen und Daten plagten. Mit der Fertigstellung des Geschäftsberichtes Mitte Mai war durch die Kanzlei Möhrle Happ Luther der KTG Agrar am 12. Mai 2016 trotzdem ein uneingeschränktes Testat erteilt worden, obwohl diverse Auffälligkeiten zuvor für heftige Diskussionen gesorgt hatten.

So seien "hohe rechnerische" Zahlungsziele von über 400 Tagen mehrfach intensiv mit einem KTG-Mitarbeiter diskutiert worden. Noch Anfang Mai fehlende Nachweise seien dem Aufsichtsrat zur Kenntnis gebracht worden mit dem Vermerk, widrigenfalls nicht vollumfänglich zu testieren. Umgehend seien daraufhin Schriftstücke zur Verfügung gestellt worden, die Sicherheiten über 150 Millionen € belegen sollten. Die Wirtschaftswoche zitiert aus einem Schreiben der Kanzlei Möhrle Happ Luther an die KTG Agrar: „Diese wurden durch eine schriftliche Auskunft des Wirtschaftsprüfers der KTK-Gesellschaften, Dr. Klüber, ergänzt, der uns die Existenz und Werthaltigkeit der Sicherheiten bestätigte“.

Die geprellten Halter der durch die KTG Agrar begebenen Anleihe müssen nun allerdings mit der Aussage des eingesetzten Sachwalters Stefan Denkhaus leben, demzufolge die Forderungen gegen die KTK wohl komplett abgeschrieben werden müssen. Weder die Experten der Wirtschaftsprüfungskanzlei Möhrle Happ Luther noch der durch KTK beauftragte Spezialist Dr. Klüber hätten sich gegenüber der Wirtschaftswoche mit Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht zur Sache äußern wollen. Vor dem gesamten Hintergrund fällt dann der Hinweis darauf, dass sich auch Ex-KTG Agrar-Chef Siegfried Hofreiter ("Helikopter-Siggi") nicht weiters einlassen will, kaum noch ins Gewicht. Gegen ihn sowie vier weitere vormalige Hauptverantwortliche ermittelt zwischenzeitlich die zuständige Hamburger Staatsanwaltschaft.

Wir sondieren momentan die weitere Vorgehensweise im Auftrage unserer zahlreichen Mandantschaft. Durch die neuerlichen Entwicklungen dürfte mittlerweile der Prüfungsbereich dahingehend eröffnet sein, inwieweit die involvierten Wirtschaftsprüfer zusätzlich zum verantwortlichen Personal aus dem KTG-Konzern haftbar gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Gerne dürfen Sie als Betroffener sich in dieser Angelegenheit ebenfalls an uns wenden.

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