23.09.2016

KTG Agrar-Insolvenz: Familie Hofreiter mischt wieder mit

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) beschäftigt sich erneut und in mehreren Artikeln mit den weiteren Vorgängen im Zuge des Verkaufs von Unternehmensteilen aus dem insolventen KTG Agrar-Konzern.

Nach dem jüngst bereits bekannt wurde, dass die Bremer Zech-Stiftung die wesentlichen Agrar-Bestandteile (ohne Kohlberg und Quesitz) sowie knapp über 50 % des Aktienpaketes der KTG Energie AG übernommen hatte, rücke nun der Verkauf des Agrarstandortes Quesitz an die "aptus 1113 GmbH" in den Fokus des Interesses insbesondere betroffener Anleihegläubiger.

Die aptus 1113 GmbH, so die FAZ, bestehe noch nicht lange: am 26. Juli erst sei sie ins Handelsregister eingetragen worden, also drei Wochen nach dem Gang zum Insolvenzgericht durch die KTG Agrar. Der zugehörige Gesellschaftsvertrag datiere auf den 19. Juli, eine Woche vorher. Felix Ernst Neukamp, von Ende 2011 bis zum 23. August diesen Jahres Mitglied des Vorstandes der KTK Getreidehandels GmbH, war zunächst Geschäftsführer der aptus 1113. Die KTK Getreidehandels GmbH, eine Art Vertriebsgesellschaft innerhalb des Konzerns, hat Verbindlichkeiten von 83 Millionen € gegenüber KTG Agrar - und damit direkt gegenüber den betroffenen Anleihegläubigern. Diese Forderungen allerdings könne man getrost abschreiben, wie kürzlich vermeldet wurde.

Felix Ernst Neukamp ist darüberhinaus Vorstand bei der FRS Foods International Russia & South Africa SE - vormalig KTG Foods SE. Seinen Job bei der aptus 1113 hat zwischenzeitlich Heinz Hermann übernommen, der aber auch Geschäftsführer der Agrardienste Lützen ist - gemeinsam mit Werner Hofreiter, Bruder des Unternehmensgründers Siegfried Hofreiter. Die Agrardienste Lützen, eines der vielen Unternehmen im Firmengeflecht rund um die KTG Agrar SE, sitzen an der gleichen Adresse wie die aptus 1113.

In einer weiteren Meldung zieht die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein weiteres Mitglied des Hofreiter-Clans ins Rampenlicht: Markus Ams, gemeinsamer Sohn von Siegfried Hofreiter und Beatrice Ams, Mehrheitsaktionärin bei der KTG Agrar SE, habe über die ihm in Teilen gehörende AK Agrar Produktionsgesellschaft GmbH einen Teil der Bio-Zentrale Naturprodukte GmbH aus der Insolvenzmasse erworben.

Die FAZ weist zu Recht darauf hin, dass zunächst und im Grundsatz der Ankauf von Assets aus Insolvenzmasse durch vormalig verantwortlich handelnde Manager oder auch zugehörige Familienmitglieder im Einklang mit geltendem Recht bestehen sollte und auch nicht notwendigerweise etwas anrüchiges haben muss. Im vorliegenden Fall jedoch, in dem seit geraumer Zeit die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelt und ganz offensichtlich mindestens der Verdacht auf das Verschieben von Millionensummen eingeworbener Anlegergelder innerhalb des Konzerns jedenfalls über völlig überhöhte Verrechnungspreise sowie eine chaotische oder gar betrügerische Unternehmensführung im Raume steht, wo die zuständigen Wirtschaftsprüfer Testate widerrufen und kurzerhand Unternehmensitze nach Belieben verlegt zu werden scheinen, ist aus unserer Sicht jedenfalls der Prüfungsbereich dahingehend eröffnet, dass hier möglicherweise in großem Stil Kapital aus dem Konzern geflossen sein könnte, das nun zum billigen Erwerb von Insolvenzmasse genutzt wird.

Wir prüfen zwischenzeitlich die weitere Vorgehensweise in o. a. Angelegenheit im Auftrag bestehender Mandantschaft - gerne dürfen Sie als Betroffener sich ebenfalls in dieser Sache an uns wenden.

 

Bank- und Kapitalmarktrecht