08.12.2016

KTG Agrar-Pleite: Dietmar Luz rückt deutsch-baltische Handelskammer ins Zwielicht

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) beschäftigt sich erneut in zwei Artikeln mit dem gigantischen Pleiteskandal rund um die KTG Agrar SE.

In den Fokus kommt hier die Rolle des Juristen Dr. Dietmar Luz, vielfach beschrieben als rechte Hand des Pleitiers und Unternehmensgründers Siegfried ("Helikopter-Siggi") Hofreiter. Luz habe eine herausragende Stellung im Konzern sowohl am Unternehmenssitz in Oranienburg wie auch im Baltikum innegehabt und sei dort nach wie vor Funktionsträger. Überdies bekleide er das Amt des Vizepräsidenten der deutsch-baltischen Außenhandelskammer, in der rund 400 Unternehmen repräsentiert seien. In dieser Funktion habe er 2013 Bundespräsident Gauck auf dessen Baltikumreise als einer der Sprecher der mitreisenden Wirtschaftsdelegation begleitet.

Vor dem Hintergrund, dass zwischenzeitlich auch die für das Geschäft der KTG Agrar von herausragender Bedeutung gewesenen Unternehmensteile in Litauen in die Insolvenz gerutscht sind, stelle sich nun erneut die Frage nach der Verantwortung auch von Dietmar Luz für die einigermaßen unglaublichen Vorgänge innerhalb des Konzerns. Dort nämlich amtierte er als Geschäftsführer - neben seiner Tätigkeit als Justitiar und Factotum für Hofreiter in Deutschland. Aber auch für die AHK Baltische Staaten scheint sich Luz als überaus lästige Bürde zu entwickeln. Thomas Schöllkopf, Präsident der Vereinigung, habe jedenfalls auf Rückfrage der FAZ mitgeteilt, dass die deutsch-baltische Außenhandelskammer zu diesem delikaten Thema nicht klar Stellung nehmen wolle. Angesprochen auf die Personalie Luz habe er geäußert, man befinde sich hierzu innerhalb der Geschäftsführung "im Austausch".

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verweist im in Rede stehenden Artikel neben der undurchsichtigen und mutmaßlich durchaus fragwürdigen Rolle des Dr. Dietmar Luz darüberhinaus auch auf seine Vorgeschichte als Jurist und deutet hier eine gewisse Analogie zu seinem Chef Hofreiter an. Siegfried Hofreiter war bereits 2002 wegen Insolvenzverschleppung rechtskräftig verurteilt worden und durfte deswegen in den folgenden fünf Jahren nicht in leitender Funktion in einer Kapitalgesellschaft tätig sein. Hofreiters Lebensgefährtin Beatrice Ams führte in dieser Zeit die Geschäfte der KTG Agrar, in einschlägigen Darstellungen wird sie u.a. als "gut funktionierender Unterschriftsautomat" bezeichnet. Dr. Dietmar Luz nun habe in Folge "einer Rechtssache" nicht mehr als Jurist praktizieren dürfen. Dies jedenfalls hätten mehrere Insider der FAZ geschildert, und zwar unabhängig voneinander. Luz habe deswegen jedenfalls formal und offiziell nicht als Jurist für die KTG gearbeitet - was wiederum mindestens die Vermutung nahelegt, dass er dennoch faktisch als solcher für den Konzern tätig war. 

Für die geprellten Anleger dürfte sich einmal mehr die Frage stellen, wer möglicherweise für das zu beobachtende gigantische Desaster verantwortlich und gegebenenfalls haftbar zu machen sein könnte. Der Hofreiter-Clan hatte im Verbund mit mutmaßlich weiteren verantwortlich handelnden Personen über die Jahre hinweg immerhin hunderte Millionen Euro Anlegergelder von rund 10.000 Investoren eingesammelt. Wie unter anderem die FAZ in kleinteiliger Recherchebemühung herausgearbeitet hatte, war dies wiederum nur möglich gewesen aufgrund einer die bitteren betriebswirtschaftlichen Tatsachen mit dem ganz großen Legato übertünchenden und grotesk verfälschenden Außendarstellung der realen finanziellen Lage des Konzerns mithilfe bizarr überhöhter interner Verrechnungspreise und der Akkumulation versteckter Schulden im kaum zu überblickenden Firmengeflecht.

Als Tüpfelchen auf dem sprichwörtlichen i muss übereinstimmenden Berichten zufolge nun zusätzlich noch davon ausgegangen werden, dass noch werthaltige Assets aus den Konkursmassen mehr oder weniger regelhaft zu Spottpreisen über die Theke gehen. Beispielhaft hatte die KTG Agrar SE dieser Tage bekanntgegeben, einen Kaufvertrag zur Veräußerung des litauischen Teilkonzerns "für einen niedrigen siebenstelligen Euro-Betrag" abgeschlossen zu haben. Viel weniger, als ganz offensichtlich von Marktteilnehmern erwartet worden war - und insoweit ein weiterer Schlag ins Kontor der geleimten Anleger, die dem bitteren Schauspiel ohnmächtig zuschauen dürfen. Da scheint es nurmehr eine kleine Randnotiz zu sein, dass der Name des glücklichen Käufers durch die KTG Agrar SE nicht der Erwähnung wert gehalten wird. Dr. Dietmar Luz jedenfalls lacht dem interessierten Betrachter bis zur Stunde auf der Webseite der AHK Baltische Staaten entgegen und verkündet mit frohen Worten, auch "in Zukunft gemeinsam ... neue Projekte entwickeln und neue Themen aktiv angehen" zu wollen.

Bank- und Kapitalmarktrecht