14.07.2016

KTG Agrar-Pleiteskandal: Siggi Hofreiter melkt den Markt und macht sich vom Acker

Die Wirtschaftspresse berichtet übereinstimmend, dass der Vorstandschef und Unternehmensgründer der KTG Agrar SE, Siegfried Hofreiter, gestern das Handtuch geworfen und das Feld geräumt hat.

Im Zusammenhang mit der geradezu unfassbaren Insolvenz kommen nun immer weitere pikante Details ans Licht der Öffentlichkeit. Vor wenigen Wochen noch, so beispielhaft die Frankfurter Allgemeine Zeitung, habe Hofreiter auf einem Berliner Podium im Rahmen des „Zukunftsdialogs Agrar“ mit einem Gourmetkoch über schlechte Landwirtschaft und Sterneküche geplaudert, der Tonfall sei gelöst und heiter gewesen, die Rede von wachsenden Märkten, einer Weltmarke, der Welternährung und Weltbevölkerung.

Hofreiter musste zu diesem Zeitpunkt längst von der aussichtslosen Lage seines Unternehmens gewusst haben. Stattdessen beschimpfte er zweifelnde Berichterstatter noch wenige Tage vor  der Insolvenz, unterstellte Unkenntnis der Geschäftslage und vorsätzliches Verunsichern der Marktteilnehmer.

Zur wechselvollen Geschichte des Unternehmens gehört allerdings auch die Feststellung, dass Analysten bis in die jüngere Vergangenheit hinein glänzende Aussichten prognostizierten, beispielhaft habe die "Munich Strategy Group" die Agrarfirma an die Spitze ihrer Top-100-Mittelstandsunternehmen gesetzt. Diese Fehleinschätzung werde nunmehr konterkariert durch die geradezu grotesken Auswüchse im Hinblick auf Unternehmensstrukturen, Beteiligungen und die vollkommen undurchsichtige Bilanzierung. Die Rede ist hier unter anderem von als Vermögen verbuchten Forderungen im dreistelligen Millionenbereich, die beispielhaft die Ansätze für die gesamten Acker- und sonstigen Wirtschaftsflächen des Konzerns bei weitem überstiegen. Das Magazin "Finance" bringt hier die Vermutung ins Spiel, das gesamte Unternehmen sei eher "als eine Art Bank oder Finanzdrehscheibe für Firmen aus dem Umfeld" anzusehen.

Interessant scheint weiterhin auch die Personalie Siegfried ("Siggi") Hofreiter zu sein: die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt eine wechselvolle Geschichte mit mehreren gescheiterten Unternehmen, einer Verurteilung wegen Konkursverschleppung sowie einem fünfjährigen Verbot der Führung einer Kapitalgesellschaft. Diese Frist allerdings war just zu dem Zeitpunkt abgelaufen, als Hofreiter 2007 KTG - offiziell von seiner damaligen Partnerin geführt - an die Börse brachte. Auch Hofreiters Personalentscheidungen stehen massiv in der Kritik: die Rede ist hier von Verquickungen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat sowie direkt und indirekt in die Konzernstruktur eingebundenen weiteren Unternehmen, die eindeutig dem deutschen Kodex für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) widersprächen.

Wie können geschädigte Investoren und betroffene Aktionäre reagieren? Aus unserer Sicht besteht hier mindestens der begründete Verdacht dahingehend, dass die KTG Agrar SE respektive die dortig verantwortlich handelnden Personen gegen die geltenden Publizitätspflichten verstoßen haben könnten. Für die involvierten Anleihehalter dürfte sich zentral die Frage stellen, ob innerhalb des Unternehmens mit den über die beiden Zinspapiere eingesammelten Geldern entsprechend der in den Prospekten dargestellten Anleihebedingungen verfahren beziehungsweise gewirtschaftet wurde. Hier könnten sich jeweilig Schadensersatzforderungen auch gegen die betroffenen Verantwortlichen formulieren und gegebenenfalls durchsetzen lassen.

Bank- und Kapitalmarktrecht