05.07.2016

KTG Agrar SE ist pleite - nächster Skandal auf dem Mittelstandsanleihe-Markt

Wie unter anderem die Wirtschaftswoche berichtet, hat das Unternehmen heute vor dem hierfür zuständigen Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenregie eingereicht. Dieser sei auch angenommen worden.

Die KTG Agrar zugehörigen Tochtergesellschaften seien hingegen nicht betroffen. Als vorläufiger Sachwalter wurde Sanierungsexperte Stefan Denkhaus eingesetzt.

Diese neuerliche Pleite auf dem Markt für Mittelstandsanleihen stellt einen weiteren Höhepunkt rund um das sich seit Wochen abzeichnende Verwirrspiel für die betroffenen Anleger und Investoren dar. Das Unternehmen stellte mit zwei Anleihen im Umfang von insgesamt rund 350 Millionen € immerhin einen der größten Emittenten dar, von der faktischen Zahlungsunfähigkeit sind nun aber genauso auch die Aktionäre betroffen. Zur Stunde notiert das Papier mit 0,40 € als Pennystock.

Die geprellten Investoren sehen sich nun im vorliegenden Fall - ganz ähnlich wie bei vorangegangenen Pleiten der vergangenen Jahre auf dem Markt der Mittelstandsanleihen - mit allerhand Unregelmäßigkeiten konfrontiert, die nach und nach im Vorfeld nach außen sickerten und publik wurden. Da war zunächst die Ankündigung des verantwortlichen Managements über den angeblichen Einstieg der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun, die sich als Ente herausstellte. Nach der ersten Verschiebung der Zinszahlung Anfang Juni war dann die Rede von der bereits eingeleiteten "Hebung stiller Reserven". Der insoweit bereits notariell beglaubigte Vertrag über einen Flächenverkauf und die Rückpachtung werde die "Zinszahlung innerhalb der kommenden 14 Tage" ermöglichen, so das Unternehmen.

Allein, auch diese Behauptung stellte sich als nicht belastbar dar. Vielmehr begann die Unternehmensführung rund um CEO Siegfried ("Siggi") Hofreiter nun mit der Verunglimpfung von Marktbeobachtern, die Zweifel an der Unternehmenssubstanz und Glaubwürdigkeit der Außendarstellung  verbalisierten. Die Rede war hier von "Unkenntnis der Geschäftslage" sowie mangelhaftem Verständnis des "Markt- und Erntepotenziales". Dieses sorge bei den betroffenen "Investoren für Unsicherheit". Weitere Meldungen wie beispielsweise die Umfirmierung wichtiger Geschäftsteile, über die die Anleger nicht benachrichtigt wurden sowie intransparente und kaum nachvollziehbare Geschäftsberichte vervollständigten das Bild eines Unternehmens, das irreführend oder schlicht falsch informierte (WirtschaftsWoche).

Wie können betroffene Investoren in der nunmehr eingetretenen desaströsen Lage reagieren? Wir empfehlen jedenfalls dringlich, nicht ausschließlich auf eine vermutlich erwartbare magere Quote im ordentlichen Insolvenzverfahren zu hoffen, sondern vielmehr mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Vertretung mindestens Wege zur Durchsetzung etwaig bestehender Schadensersatzansprüche zu prüfen und diese gegebenenfalls nachdrücklich zu beschreiten. Fraglich steht immerhin aus unserer Sicht, ob das Unternehmen seinen Veröffentlichungspflichten vollumfänglich nachgekommen ist und ob überdies im Hinblick auf die Anleiheemissionen wahrheitsgetreue Bilanzen respektive Prospekte veröffentlicht wurden.

Bank- und Kapitalmarktrecht