16.06.2016

Magellan Maritime Services in der Insolvenz - Containerleasinggesellschaft gescheitert

Am 31. Mai 2016 hat die Container-Leasinggesellschaft Magellan Maritime Services beim Hamburger Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt.

Bereits im Vorfeld waren die laufenden Auszahlungen an Anleger eingestellt worden, betroffen sind nach übereinstimmenden Angaben etwa 9000 Investoren mit einer kolportierten Gesamtsumme von etwa 350 Millionen €.

Die Unternehmensgruppe ist bereits seit rund 35 Jahren mit dem Containergeschäft befasst. Das Geschäftsmodell bestand darin, dass Magellan Maritime Services insbesondere auch an Kleinanleger Container verkaufte und diese dann an Reedereien und Schifffahrtsgesellschaften weitervermietete. Am Ende einer Laufzeit von beispielhaft fünf Jahren wurde ein Rückkauf zu attraktiven Preisen zugesagt, wobei die versprochene Gesamtrendite sich im zweistelligen Prozentbereich bewegen sollte. Besonderer Wert wurde in der Eigendarstellung auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Transparenz gelegt. 

Im Zuge der bereits seit vielen Jahren anhaltenden Krise der Containerschifffahrt kam zwangsläufig auch dieses Geschäft in schweres Fahrwasser, wenn dieses kleine Wortspiel im Zusammenhang erlaubt sein darf. Nach massiven Überkapazitäten in der Werftenbranche und bei Containerschiffen wurden nun plötzlich auch zu viele Standardcontainer hergestellt - was zwangsläufig auf die Marktpreise und zeitgleich auf die entsprechenden Mietraten durchschlug. Nach der Buss Investor Services GmbH ist die Magellan Maritime Services nun innerhalb kürzester Zeit ein zweites Opfer, das die Flügel streckt.

Fraglich für die betroffenen Investoren ist indessen, ob die Verantwortlichen der Magellan Maritime Services-Gruppe die Entwicklungen auf den Weltmärkten vorhersehen hätten können - und insoweit Investitionsentscheidungen und Renditeversprechungen hätten anpassen müssen - und insoweit möglicherweise regresspflichtig zu machen wären. Darüberhinaus wird sich auch hier die Frage stellen, ob die involvierten Anlageberater beziehungsweise Vermittler des in Rede stehenden Investments über Struktur und Risiken der Konstruktion umfassend und den Tatsachen entsprechend aufgeklärt haben. Beispielhaft dürfte selbst interessiertem Publikum mit vergleichsweise überschaubarem Fachwissen einsichtig sein, dass das Direktinvestment in Seecontainer keine passende Anlageform zur Altersvorsorge sein dürfte.

Zu guter letzt sei in diesem Zusammenhang nochmals darauf hingewiesen, dass auch ein vermeintlich sicheres Sachinvestment in ein Wirtschaftsgut wie Container - wechselweise Akazien, Zitronenplantagen oder Rinder - im Krisenfall mit einer derartigen Vielzahl von Haken und Ösen versehen sein kann, dass sich die vermeintliche Sicherheit im Zweifelsfall in kleine weiße Rauchwölkchen auflöst.

Bank- und Kapitalmarktrecht