20.05.2015

MS-Deutschland-Anleihe: Anleihegläubiger als Melkkühe?

Das Handelsblatt berichtet erneut über die Hintergründe des Skandals um die Pleite-Betreiberfirma des einstigen Traumschiffs, der MS Deutschland.

Etwa 2000 Anleger hatten 2012 immerhin etwas mehr als 50 Millionen € in die dortig begebene sogenannte Mittelstandsanleihe (WKN: A1RE7V, ISIN: DE000A1RE7V0) gesteckt. Es lockte ein vergleichsweise hoher jährlicher Coupon von 6,875 % sowie die Besicherung durch eine erstrangige Schiffshypothek, das Papier sollte Ende 2017 nach fünf Jahren Laufzeit fällig sein. Momentan bewerten die Marktteilnehmer das Papier nur noch mit etwa 15-20 % des Nominalwertes.

Wie das Handelsblatt berichtet, habe am gestrigen Dienstag der seit vergangenem November zuständige Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber nunmehr den Verkauf des ehemaligen Traumschiffes bekanntgegeben, ohne jedoch nähere Angaben über die Umstände preiszugeben. Namen oder Verkaufspreis blieben ebenso unbenannt wie weitere Details zum Bieterverfahren. Das Handelsblatt zitiert jedoch aus der Wirtschaftszeitung vorliegenden Dokumenten, die „Fragen aufwerfen“ und „den Investoren nicht gefallen dürften“. Ein entsprechender Kontoauszug der Berenberg-Bank belege eine Anweisung von 16,81 Millionen $ von einer amerikanischen Firma namens „Absolutus 66“ am 11.05. zugunsten des Kontos des Insolvenzverwalters mit dem Verwendungszweck „MS Deutschland“. Internen Dokumenten zufolge soll neuer Eigentümer allerdings eine unbekannte US-amerikanische Firma namens „Absolute Nevada LCC“ sein. Insider sprächen von einer bereits im März erfolgten Anzahlung von weiteren 20 % – was einen gesamten Kaufpreis von etwa 21 Millionen $ oder 18,5 Millionen € bedeute.

Die Anleihegläubiger können nun jedoch mitnichten davon ausgehen, die jetzt erlöste Verkaufssumme vollständig ausbezahlt zu bekommen. Vielmehr fallen seit der Betriebspause des vor Gibraltar liegenden Schiffes seit Ende letzten Jahres hohe laufende Kosten an, zusätzlich werden größere Beträge für das Insolvenzverfahren und weitere Berater fällig werden. Nach wie vor unklar ist weiterhin, ob die Schiffshypothek wirksam bestellt wurde. Im Wertpapierprospekt der Anleihe hatte der Hamburger Gutachter Bernd Holst den Marktwert des Schiffes 2012 auf 100 Millionen $ testiert, dieser wurde als Sicherheit für die Anleihegläubiger beworben (s.o.).

Das Handelsblatt verweist nun auf dortig vorliegende Schriftwechsel, die nahelegen, dass der offensichtlich nun erfolgte Eigentümerwechsel nicht der letzte sein könnte: ein Geschäftsmann namens George Scarborough werde hier als „Auftraggeber“ und „endgültiger Abnehmer des Schiffes“ benannt. Dieser wiederum sei ein alter Bekannter in der Hintergrundsaga um die vielfältigen Weiterreichungen des Traumschiffes von der Reederei Deilmann über den Private Equity Fonds Aurelius bis hin zu Callista Private Equity – mit kolportiert besten Verbindungen zu Aurelius. Warum nun Scarborough den Erwerb des Schiffes über eine Mittelsfirma vollzöge und was eventuelle weitere Absichten wären, bliebe offen. Eine diesbezügliche Anfrage der Wirtschaftszeitung jedenfalls sei bis zur Stunde unbeantwortet.

Bank- und Kapitalmarktrecht