10.08.2014

MS-Deutschland-Anleihe: nächster Ausfallkandidat?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschäftigt sich ein weiteres Mal mit den zunehmend dubiosen Vorgängen um die 2012 begebene Anleihe der MS Deutschland GmbH, Betreiberin des „Traumschiffes“.

Die Anleihegläubiger wurden kürzlich für den 8. Oktober nach Frankfurt zu einer Gläubigerversammlung geladen, wo ihnen eine Stundung der eigentlich im Dezember fälligen Zinszahlung bis zum 30. Juni 2015 sowie ein „vorübergehender“ Verzicht auf die Kündigungsrechte schmackhaft gemacht werden solle. Darüber hinaus werde die Wahl eines Gemeinsamen Vertreters (GV) als Tagesordnungspunkt präsentiert und – nolens volens – der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein als Kandidat vorgeschlagen. Die Betreibergesellschaft MS Deutschland GmbH bewirbt hier vollmundig die bei näherer Betrachtung exquisite Kombination verschiedener Volten. Solcherart Schritte seien notwendig, „um die Ausarbeitung und Umsetzung eines Gesamtsanierungskonzepts gar nicht erst durch mögliche Liquiditätsengpässe zu gefährden“, wie es wörtlich in dem Schreiben heißt.

Bereits im Juli hatte die neue Eigentümergesellschaft Callista Private Equity die Anleihegläubiger in einer Mitteilung auf die Prüfung sämtlicher Optionen für eine Restrukturierung des Unternehmens vorbereitet und somit erste Befürchtungen im Hinblick auf fristgerechte Bedienung der Zinstermine geweckt. Eigentlich sollte der Kupon der Anleihe vollumfänglich durch eine Kreditlinie des vormaligen Eigentümers, der Beteiligungsgesellschaft Aurelius abgesichert sein, die Stundung der am 18. Dezember fälligen Zahlung würde insoweit nur einen Wechsel des Gläubigers bedeuten. Besonders pikant dürfte für die Inhaber der Anleihe allerdings der mit dem Verschieben des Zinstermins verbundene Entfall der Kündigungsrechte sein. Ein weiteres Mal (siehe u.a. die Anleihen der Firmen Mifa und MT Energie) scheinen die Prospektversprechen auf dem Markt der Mittelstandsanleihen das Papier nicht wert zu sein, auf dem sie gedruckt wurden, ein Fanal für dieses Marktsegment.

Die Schuld für die aktuelle Schieflage gebe der Eigentümer Callista zum einen der Struktur der Finanzierung der Gesellschaft, außerdem aber auch dem zum 01.08.2014 „in beiderseitigem Einvernehmen“ ausgeschiedenen bisherigen Geschäftsführer Christopher Nolde sowie zwischen den Zeilen auch der ehemaligen Betreibergesellschaft Aurelius. Darüber hinaus ist die Rede von „unzureichenden Weichenstellungen in der Vergangenheit“ sowie dem hohen Schuldendienstes von rund dreieinhalb Millionen Euro jährlich. Die finanziellen Verpflichtungen der Gesellschaft beruhen aber wohl fast ausschließlich auf den Forderungen durch die Anleihe.

Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die MS Deutschland-Anleihe durch eine erstklassige Schiffshypothek in Höhe von 60 Millionen € abgesichert ist, empfehlen wir allen betroffenen Anlegern, keinesfalls auf die pünktliche Bedienung des Zinskupons sowie die mit der Anleihe verbundenen Covenants (vertraglichen vereinbarte Schutzklauseln) zu verzichten, mit denen die Emission seinerzeit massiv beworben wurde. Es ist aus unserer Sicht nicht einzusehen, warum ein weiteres Mal ausgerechnet und insbesondere der private Kleinanleger Gefahr laufen soll, über mehrere Schritte hinweg schlussendlich über den groben Kamm barbiert zu werden.

Bank- und Kapitalmarktrecht