12.01.2017

Nachrangdarlehen der Autark-Gruppe: Staatsanwälte ermitteln - Finanztest warnt

Unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschäftigt sich mit dem Geschäftsmodell der in Liechtenstein beheimateten Autark Invest AG sowie weiterer verbundener Unternehmen und verweist auf die soeben ergangene Warnung der Stiftung Warentest.

Diese empfehle eindringlich allen über die dortig ausgegebenen Nachrangdarlehen investierten Anlegern, keine weiteren monatlichen Einzahlung zu tätigen. Angelegtes Kapital in Höhe von 135 Millionen € von etwa 3600 Betroffenen stünde im Feuer, insgesamt drei unterschiedliche Staatsanwaltschaften (Dortmund, Hof, Siegen) seien bereits mit der Sache beschäftigt.

Die Stiftung Warentest zitiert auf ihrer Internetseite Oberstaatsanwalt Andreas Cantzler (Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wirtschaftskriminalität Hof) mit den Worten: "Es ist mit weiteren umfangreichen Ermittlungen zu rechnen, deren Dauer derzeit nicht abgeschätzt werden kann". Weitere Auskünfte könnten "derzeit noch nicht erteilt werden", insbesondere auch aus "ermittlungstaktischen Gründen". Bereits im Oktober des vergangenen Jahres habe es Razzien in Österreich und Deutschland gegeben, mit mehr als 150 Einsatzkräften seien eine Vielzahl unterschiedlicher Objekte durchsucht sowie Daten und Unterlagen beschlagnahmt worden. 

In ihren auf intensiven Recherchen beruhenden umfangreichen Ausführungen zeichnet die Stiftung Warentest ein außerordentlich bedenkliches Bild der Autark-Gruppe und weiterer eng verbundener Unternehmen. Insbesondere die Sensus Vermögen GmbH sowie die Derivest GmbH aus Marktredwitz stehen hier im Fokus. Gegen die in beiden Firmen Verantwortung tragenden Gerhard S. und Markus F. werde ermittelt, die Vorwürfe lauteten hier auf Untreue sowie Betrug in besonders schwerem Fall. Bereits seit 2012 seien "nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbeträge" festgestellt worden, Anlegergelder sollen zum privaten Gebrauch zweckentfremdet worden sein.

Aber auch die Autark Invest AG (vormalig Autark Vertrieb- und Beteiligung GmbH, Dortmund) gibt ganz offensichtlich Anlass zu den schlimmsten Befürchtungen: den über die Nachrangdarlehen investierten Anlegern war hier zunächst ein Umtauschangebot in Vorzugsaktien einer "Autark Group AG" angeboten worden, was allerdings von der liechtensteinischen Finanzaufsicht durchkreuzt worden war. Der Deal war den Investoren durch die Verantwortlichen der Autark-Gruppe mit überaus euphorischen Darstellungen schmackhaft gemacht worden, die Rede war hier wohl u.a. von einer möglichen Kapitalerhöhung auf unvorstellbare 420 Millionen € - bei einem aktuellen Börsenwert von weniger als 3 Millionen €.

Und auch hier wirft nach den Finanztest-Recherchen eine Personalie düstere Schatten über das sich abzeichnende Melodram: Stefan Kühn, geborener Stefan Koschate, nach Angaben aus dem Unternehmen heraus eigentlicher Chef und Spiritus Rektor sowie Verwaltungsrat, habe bereits eingehende Erfahrung mit schwedischen Gardinen hinter sich. Die Rede ist hier von einer dreijährigen und in einer Bielefelder Justizvollzugsanstalt abgesessenen Freiheitsstrafe, außerdem von zehnmonatiger Untersuchungshaft im schweizerischen Bern. Anlass war auch hier wohl inkorrekter Umgang mit Anlegergeldern. Überdies zitiert Finanztest ein Anerkenntnisurteil des liechtensteinisch-fürstlichen Landgerichtes über Schadensersatz in Millionenhöhe. Allein, Stefan Koschate/Stefan Kühn habe dann doch seinen Zahlungsverpflichtungen lieber nicht nachkommen wollen.

Leider muss wohl auch in der vorliegenden causa mit einem Totalausfall für die betroffenen Anleger gerechnet werden. Wir empfehlen zunächst ebenfalls aufgrund der vorliegenden Informationen dringlichst allen involvierten Investoren, mindestens bis auf weiteres keine weiteren Zahlungen an die Unternehmensgruppe mehr zu leisten. Vielmehr sollte mit Hilfe entsprechend erfahrener anwaltlicher Unterstützung die Fragestellung im Fokus stehen, wie bereits transferiertes Kapital möglicherweise gesichert werden könnte. Mindestens der Prüfungsbereich dahingehend, ob hier gegebenenfalls dingliche Arrestierungsmaßnahmen Mittel der Wahl sein könnten, scheint aus unserer Sicht auf Basis der aktuellen Informationslage eröffnet zu sein.

 

Bank- und Kapitalmarktrecht