10.12.2014

Penell-Anleihe: Gläubigerversammlung anberaumt

10.12.2014: Das Familienunternehmen Penell aus dem Rhein-Main-Gebiet lädt kaum ein halbes Jahr nach Emission der Unternehmensanleihe seine Gläubiger zur Versammlung. 

Zuvor hatte der Großhändler und Spezialist für den gesamten Elektrobereich mitgeteilt, dass bei einer neuerlichen Bestandsaufnahme der Lagerhaltung erhebliche Minderbestände insbesondere des Industrie- und Halbedelmetalles Kupfer festgestellt hätten werden müssen. Zur Begebung der Anleihe im Umfang von 5 Mio. € war diese noch mit der Absicherung durch den Wert der Lagerbestände von knapp 1500 t Kupferkabeln beworben worden, die Rede war hier von einem kurzfristig realisierbaren Marktwert ("100% Absicherung durch fungibles Asset") von 7,5 Mio. € bzw. 9 Mio. € für das gesamte Warenlager. Wie seriöse Wirtschaftsmedien berichten, seien weit mehr als 300 t des gefragten Halbedelmetalles verschwunden, eine Erklärung durch das Unternehmen hierzu gebe es ebensowenig wie eine Stellungnahme des emissionsbegleitenden Corporate-Finance-Hauses Dicama oder der ebenfalls in die Emission involvierten Agentur Feri Euro Rating.

Die dubiosen Vorgänge lassen bei aufmerksamen Marktbeobachtern Erinnerungen an die ebenfalls skandalösen Fehlbestände in der Lagerhaltung des erst kürzlich in die Insolvenz gerutschten Fahrradbauers Mifa wach werden, auch hier  ist eine sogenannte Mittelstandsanleihe im Spiel, auch hier sind neben institutionellen Geldgebern eine Vielzahl an Privatanlegern betroffen und stehen vor den Scherben ihres Investments. 

In der Prospektierung der fünfjährigen Anleihe (WKN/ISIN: A11QQ8 / DE000A11QQ82, Laufzeit bis 10.06.2019, Kupon mit 7,75 % und halbjährlicher Bedienung) war in den weiteren sog. Covenants (Nebenabreden)  u.a. der nunmehr eingetretene Fall festgehalten, dass die Bewertung der unternehmenseigenen und zur Besicherung der Anleihe vorgesehenen Kupferbestände zu aktuellen Marktpreisen unter die Marke von 6,25 Millionen € fällt - und damit das Familienunternehmen zwingend die Anleihehalter zur Gläubigerversammlung laden muss. Auch für die Eigenkapitalquote des Elektrospezialisten bedeuten die Vorgänge eine Katastrophe: die hier vormalig benannten 27% wären vollständig ausradiert.

Fraglich steht nunmehr, wer für die bizarren Vorgänge respektive die fehlerhafte Bilanzierung im Hause Penell verantwortlich zeichnet. Die Turbulenzen der vergangenen Tage haben jedenfalls dazu geführt, dass der Kurs des Zinspapieres abrupt abstürzte und am heutigen Mittwoch zwischenzeitlich noch mit 50% der Nominale notiert. Mindestens im Raume steht mittlerweile neben einer möglichen Insolvenz des Unternehmens auch der Default, also gänzliche Ausfall des Minibonds. Mögliche Schadensersatzklagen dürften sich richten gegen die Verantwortlichen in der Unternehmens- bzw.

Geschäftsführung, darüberhinaus etwaig auch gegen involvierte Wirtschaftsprüfer und weitere an der Emission beteiligte Parteien. Interessant in diesem Zusammenhang ist weiterhin, dass u.a. das Internetportal Finance Magazin zwar darüber berichtet, dass die Unternehmensgründerin Waltraut Penell aus Altersgründen bereits im November aus der Gesellschaft ausgeschieden sei, diese jedoch auf der betriebseigenen Webseite nach wie vor gemeinsam mit Kurt Penell als Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH benannt wird. 

Wir empfehlen - insbesondere auch vor dem Hintergrund der insgesamt desolaten Lage auf dem Markt der sog. Mittelstandsanleihen - allen Betroffenen, umgehend mithilfe entsprechend erfahrener anwaltlicher Expertise alle weiteren rechtlich möglichen Schritte zu prüfen und gegebenenfalls zeitnah zu unternehmen. Gerne dürfen Sie sich in dieser Hinsicht mit uns in Verbindung setzen, Ansprechpartner innerhalb der Kanzlei auch für eine kurze telefonische Bestandsaufnahme ist RA Wolfgang Wittmann.

Bank- und Kapitalmarktrecht