09.05.2017

Schrott-Anleihe der Scholz AG: Staatsanwaltschaft ermittelt

Wie das Handelsblatt bereits Ende vergangener Woche berichtet, interessiert sich nach einer Strafanzeige die zuständige Stuttgarter Staatsanwaltschaft für die Vorgänge rund um die Anleiheemission der Scholz AG.

Das Unternehmen hatte in den Jahren 2012 und 2013 über das Zinspapier sowie eine anschließende Aufstockung in Summe 182,5 Millionen € am Kapitalmarkt eingesammelt. In der Vergangenheit hatten wir bereits mehrfach über die anschließend höchst unerfreuliche Entwicklung der Dinge aus Sicht der Anleihegläubiger berichtet.

Vorsätzlich falsche Angaben?

Der nun vom Handelsblatt zitierten Strafanzeige liege nun der Vorwurf zugrunde, die Eigentümerfamilie Scholz habe vorsätzlich falsche Angaben über die geplante Verwendung des eingesammelten Kapitales gemacht. Risiken seien hier bewusst verharmlost, der wahre wirtschaftliche Zustand des Unternehmens kaschiert worden. Es müsse davon ausgegangen werden, dass zum Zeitpunkt der Anleiheemission die Scholz AG bereits überschuldet gewesen sei.

Anleihe verschrottet

Prospektgemäß hätten die eingesammelten Gelder für "allgemeine Refinanzierungsbedürfnisse und andere betriebliche Zwecke" genutzt werden sollen. Faktisch allerdings, so zitiert das Handelsblatt den Initiator der Strafanzeige, sei das eingesammelte Kapital zu großen Teilen zum Ausbügeln eines fehlgeschlagenen Investments in Australien verwandt worden. Ganze 109 Millionen € seien hier verschrottet worden, um die dortig eingegangenen Verpflichtungen loszuwerden.

Verschrotter vom Dienst leisten ganze Arbeit

Auch auf anderem Gebiet sei von den Schrott-Profis (Handelsblatt) ganze Arbeit geleistet geworden: auf Betreiben der finanzierenden Banken hätten die nicht zentralen Geschäftsbereiche abgestoßen werden sollen. Allein, massive Diskrepanzen zwischen Buch- und Marktwert der Abteilungen Aluminium und Edelstahl hätten das Vorhaben vereitelt. Das Management habe die bilanzielle Aufdeckung des Wertberichtigungsbedarfs gescheut. Erst nach dem Einsammeln der Anleihegelder seien plötzlich 300 Millionen € wertberichtigt worden. Die geprellten Anleihegläubiger erhielten nach Beinahe–Insolvenz, Einstieg eines chinesischen Investors und Sanierungs-Rosskur gerade einmal 8,8 % ihrer Einlage zurück.

Schrott-Profis wissen von nichts

Auf Nachfrage der Wirtschaftszeitung hätte sich die Eigentümerfamilie überrascht gegeben. Man kenne noch keine Details der Strafanzeige. Das Handelsblatt zitiert den Seniorchef Bernd-Ulrich Scholz: "Mein Sohn und ich sind uns keiner Schuld bewusst. Das wird im Sande verlaufen." Was nun die Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ergeben, bleibt abzuwarten. Fraglich stehe, ob der gegenüber dem Handelsblatt bestätigte Eingang der Strafanzeige tatsächlich und schlussendlich zu einer Anklage führe.

Bank- und Kapitalmarktrecht