20.03.2014

Skandal um Praktiker-Anleihe: Selbstbedienung in der Unternehmensspitze?

20.03.2014: eine Reihe seriöser Wirtschaftsmedien berichtet über die nunmehr laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Falle der Unternehmenspleite der Praktiker AG im Juli vergangenen Jahres.

Die Vorwürfe lauten hier auf Insolvenzverschleppung, ebenso wird im Hinblick auf extrem teure Beraterverträge ermittelt, die von der Unternehmensspitze kurz vor Zusammenbruch der Baumarktkette noch vergeben worden waren. Hier steht der Vorwurf der Unternehmensschädigung und des Handelns zulasten der weiteren Gläubiger im Raum, die Verträge waren wohl mit immerhin rund 45 Millionen € dotiert. Für beide Vorwürfe ist jeweils der genaue Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens entscheidend, die zuständige Insolvenzverwaltung hat hier ein Gutachten in Auftrag gegeben, auf das nun auch die Saarbrücker Staatsanwaltschaft wartet.

Die Praktiker AG hatte im Februar 2011 über ihre Anleihe [WKN: A1H3JZ / ISIN: DE000A1H3JZ8] mit einem Kupon von 5,875% insgesamt 250 Millionen € eingesammelt. Bereits Mitte 2011 stürzte das Zinspapier auf Werte um 70 % des Nominalwertes ab und notiert seit geraumer Zeit nunmehr im Cent-Bereich. Durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Gläubigern sollen nach unbestätigten Berichten zwischenzeitlich Forderungen von mehreren 100 Millionen € bei der Insolvenzverwaltung eingegangen sein, nahezu unbarbiert scheinen nur die Lieferanten aus dem Untergang der Baumarktkette hervorgegangen zu sein: ihre Forderungen waren wohl im wesentlichen mit dem Warenbestand besichert. Die Vermieter der Immobilien hingegen müssen wohl unbezahlte Mietforderungen sowie Betriebskosten abschreiben, ebenso dürften die involvierten Banken auf ihren Forderungen im wesentlichen sitzenbleiben.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat sich über die im Zentrum der Ermittlungen stehenden Personen nicht geäußert. Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs der Praktiker AG bestand der Vorstand aus Ulrich Gehrmann, Thomas Heinitz sowie Armin Burger (Vorsitz). Alle drei seien für eine Stellungnahme zu den in Rede stehenden Vorwürfen nicht zu erreichen gewesen.

Die auf Wirtschafts-, Banken- und Kapitalmarktrecht spezialisierten ADWUS Rechtsanwälte haben sich über die vergangenen Jahre eine ausgesprochene Expertise insbesondere auf dem Gebiet der nachhaltigen Durchsetzung bestehender Forderungen erarbeitet. Gläubiger der Praktiker AG, insbesondere Anleihebesitzer, sollten die weitere Entwicklung intensiv im Auge behalten und gegebenenfalls umgehend rechtliche Schritte zur Sicherung bestehender Ansprüche mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Vertretung unternehmen. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geben hier immerhin Anlass zur Annahme, dass die Verantwortlichen in der Unternehmensspitze in strafrechtlicher Hinsicht belangt werden könnten. Vorsorgliche Arrest- und Pfändungsmaßnahmen auch und insbesondere in das Privatvermögen der Verantwortlichen hinein sollten jedenfalls unverzüglich in Angriff genommen werden, auch in diesem Fall dürfte hier die zu Verfügung stehende Masse endlich sein. Gerne dürfen Sie mit uns Kontakt aufnehmen, Ansprechpartner innerhalb der Kanzlei auch für eine unverbindliche kurze telefonische Bestandsaufnahme ist Rechtsanwalt Wolfgang Wittmann.

Bank- und Kapitalmarktrecht