23.11.2013

Sparkasse Ulm: Bereits die Hälfte der Kunden aus Scala-Sparverträgen gedrängt

23.11.2013: wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung heute berichtet, hat die Sparkasse Ulm in den letzten Wochen und Monaten bereits die Hälfte ihrer rund 20.000 Kunden mit rigiden Methoden aus ihren langlaufenden Sparverträgen herausgedrängt.

Alternativ würden den Kunden zu deren Nachteil niedriger verzinste und kürzer laufende Alternativprodukte verkauft. Auch bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und der Südwest Presse ist die Rede von "brachialem" bzw. "rabiatem" Umgang mit den zuvor hofierten Kunden. So würde in einem Anschreiben unter Hinweis auf die "besonderen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank" der Eindruck erweckt, als hätten die Anleger gar keine andere Wahl, als die "attraktive Alternative" bis spätestens zum 15. Dezember anzunehmen. Auch ist die Rede von schwarzen Listen, auf die Kunden gesetzt werden sollten sowie in mindestens einem Fall die Manipulation eines Sparbuches in einer Bankfiliale. Verwaltungsratschef und Oberbürgermeister Ivo Gönner versucht den Sparvertrag wegen der Bonus-Zinszahlung als "seitenverkehrten" Kreditvertrag darzustellen: nicht die Kunden hätten mit der Sparkasse einen langfristigen Sparvertrag, sondern umgekehrt die Bank mit den Anlegern einen Kreditvertrag abgeschlossen, diesen könne sie wie ein privater Darlehensnehmer jederzeit kündigen. In Erwiderung auf eine erste Klage vor dem Landgericht Ulm beruft sich die Sparkasse darauf, dass das Werbematerial für "Scala" nicht als rechtsverbindlich betrachtet werden könne.

Bei nüchterner Betrachtung des zugrunde liegenden Angebotes der Sparkasse für die auf bis zu 25 Jahren laufenden Sparverträge und die maximal erlaubte Einzahlung von 2500 € pro Monat wird selbst dem ungeübten Rechner sehr schnell deutlich, dass die Bank hier ihre langjährigen Kunden um substantielle Summen vertraglich festgelegter Zinseinkünfte bringen will. Die Gegenüberstellung der Aussage des Vorstandschefs der Sparkasse Ulm, Manfred Oster, auf der sommerlichen Bilanzpressekonferenz ("Wir müssen das Thema beenden...") mit dem aktuellen Neubau der neuen Zentrale für die Ulmer Sparkasse in der Stadtmitte (die Rede ist hier von 80 Millionen € Baukosten) mag manchem wackeren Schwaben sauer aufstoßen, nicht umsonst dürften sich hier einige Sparer und Kleinanleger zugunsten einer abgehobenen Bankzentrale als ungewollt barbiert empfinden.

Was können Betroffene tun? Auf keinen Fall sollten die Umwandlungs- und Kündigungsvorschläge der Sparkasse angenommen werden. Falls Sie dennoch dem Drängen der Bankmitarbeiter bereits nachgegeben haben, sollten Sie umgehend mit erfahrener anwaltlicher Hilfe die Details und mögliche Schadensersatzansprüche untersuchen lassen, hier stehen etwaig Falschberatung sowie Verstöße gegen das Prospekthaftungsgesetz in Rede. Der Bundesgerichtshof hat insoweit in den vergangenen Jahren eine jeweilig anlegerfreundliche klare Sprache gesprochen. Gerne dürfen Sie sich auch diesbezüglich für eine unverbindliche kurze telefonische Beratung an die ADWUS Rechtsanwälte wenden, Ansprechpartner innerhalb der Kanzlei ist RA Wolfgang Wittmann.

Bank- und Kapitalmarktrecht