03.04.2016

Steilmann-Pleite: wer haftet für das Desaster - möglicherweise strafrechtliche Relevanz?

Seitdem das Modeunternehmen Steilmann kurz vor Ostern die Zahlungsunfähigkeit bekannt gegeben hatte, wird in vielfältigen Berichten der seriösen Wirtschaftspresse immer wieder auch die Frage der möglichen strafrechtlichen Relevanz in Bezug auf die Vorgänge innerhalb der Unternehmensgruppe aufgeworfen.

Von den zu erwartenden hohen Verlusten sind nicht nur die Halter der drei in den Jahren 2012-2015 begebenen Anleihen (WKN: A1PGWZ, A12UAE, A14J4G) betroffen, sondern insbesondere auch die frischgebackenen Aktionäre (WKN: A14KR5 ISIN: DE000A14KR50). Mindestens auffällig ist hier die große zeitliche Nähe zwischen Börsengang und Insolvenz. Beispielhaft die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnet die gerade einmal vergangenen 141 Tage als rekordverdächtig.

Augenfällig und jedenfalls für alle betroffenen Anleger auf der Hand liegend ist die Frage nach der Richtigkeit und Vollständigkeit der im Rahmen der Aktienemission veröffentlichten Finanzdaten und Prognosen. Die FAZ stellt in der dortigen Berichterstattung immerhin die Vermutung in den Raum, dass es möglicherweise schon im Oktober im Umfeld des Börsenganges Insolvenzgedanken in der Unternehmensgruppe gegeben haben könnte.

Wie das Blatt schreibt, wurden zu diesem Zeitpunkt im Gesellschaftsvertrag zwischen der Muttergesellschaft Steilmann Holding sowie der Steilmann SE Änderungen vorgenommen, die insbesondere für die Anleihegläubiger nachteilig seien. So gilt seither für den Insolvenzfall beispielhaft das fünffache Stimmrecht für die Zweckgesellschaft und Anteilseignerin Excalibur, einer Tochter der Beteiligungsgesellschaft Equinox. Die FAZ kommentiert diesen Vorgang mit den Worten, die "Anleger könnten geneigt sein, darin eine Vorbereitung auf eine drohende Insolvenz zu sehen". Auch die online-Plattform finanzen.net zitiert einen Marktteilnehmer mit den Worten: "... ist es nur schwer vorstellbar, dass die Steilmann-Führungsspitze vor fünf Monaten noch nicht geahnt hat, dass die Lage des Unternehmens derart prekär ist". Beobachter jedenfalls erwarten, dass sich die zuständigen Staatsanwaltschaften für die Vorgänge interessieren dürften.

Es gibt eine Reihe weiterer auffälliger und mindestens aus Anlegersicht hochgradig bedenklicher Vertragsdetails, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung weiter ausführt. So soll die Excalibur vorrangig berechtigt sein, ihr gesamtes Investment als Anspruch gegenüber dem Gewinn der S&E Kapital zurückzuerhalten. Die als wesentliches werthaltiges Asset gehandelte Beteiligung der Unternehmensgruppe an den Adler-Modemärkten wiederum wird nur mit Zustimmung von Excalibur verwertet werden können. Überhaupt auffällig ist die komplexe Struktur im Unternehmenskonglomerat um Steilmann, welche gewisse Parallelen zu weiteren Unternehmensinsolvenzen mit Bezug zum Markt der sogenannten Mittelstandsanleihen der näheren Vergangenheit aufweist.

Wer haftet für das entstandene Desaster? Insbesondere die betroffenen Kleinaktionäre sowie Privatanleger, die sich für die drei (im übrigen unterschiedlich besicherten) Anleihen interessiert hatten, dürften mit Ingrimm das sich auch in diesem Fall nun wieder abzeichnende Spectaculum betrachten, in dem Großbanken und Finanzinvestoren ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene bringen, während der sprichwörtliche kleine Mann über den groben Kamm barbiert wird.

 

Bank- und Kapitalmarktrecht