20.10.2014

Suppenhersteller Zamek pleite

Nach den jüngsten Ereignissen, die wir zwischenzeitlich zum Anlass für Schadenersatzklagen genommen haben, gestaltet sich die Chronologie wie folgt:

Am 24.02.2014 hat sowohl die Emittentin, vertreten durch ihre Komplementärin der Günther Zamek Produktions- und Handels- Verwaltungs GmbH, als auch ihre Tochtergesellschaften die Zamek Nahrungsmittel GmbH & Co. KG, vertreten durch die Zamek GmbH und deren Tochtergesellschaft, die Zamek Nahrungsmittel Düsseldorf GmbH einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Am 25.02.2014 wurde daraufhin durch das Amtsgericht Düsseldorf das vorläufige Insolvenzverfahren der Emittentin in Eigenverantwortung angeordnet.

Gegen die Zamek Nahrungsmittel GmbH & Co. KG, vertreten durch Zamek GmbH wurde am 01.05.2014 wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren eröffnet. Am gleichen Tag wurde ebenfalls das Insolvenzverfahren ihrer Tochtergesellschaft, der Zamek Nahrungsmittel Düsseldorf GmbH, eröffnet.

Am 30.05.2014 lud der Insolvenzverwalter der Emittentin zur Gläubigerversammlung, um einen gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger zu wählen, jedoch war auf der Einladung kein Kandidat hierfür genannt. Aufgrund der desaströsen Organisation, der mangelnden Informationspolitik und dem Interessenkonflikt, dass der Insolvenzverwalter der Emittentin als auch der der operativen Gesellschaften Vertreter der Düsseldorfer Kanzlei Metzeler von der Fecht waren, forderten die Gläubiger die Aufhebung der Eigenverwaltung. Die Gläubigerversammlung beschloss am gleichen Tag vor dem Amtsgericht Düsseldorf, dass die Fa. Square Advisory Services GmbH, Theatinerstr. 36, 80333 München, vertreten durch den Geschäftsführer, zur gemeinsamen Vertreterin aller Anleihegläubiger bestellt wird.

Schließlich wurde am 05.06.2014 auf Antrag der Schuldnerin/Emittentin die Anordnung der Eigenverwaltung aufgehoben und Dr. Christoph Niering zum Insolvenzverwalter bestellt.

Am 18.07.2014 bestätigte die Gläubigerversammlung Herrn Rechtsanwalt Dr. Christoph Niering einstimmig als Insolvenzverwalter. Zudem wurde ein aus drei Personen bestehender Gläubigerausschuss, der den Insolvenzverwalter bei seiner Tätigkeit unterstützen soll gewählt

Die Beklagte zu 2) gab die Geschäftsführung bereits im Februar 2014 an Herrn Reiner Wenz ab, der, da die Beklagten zu 1) und zu 3) von ihrem Geschäftsführeramt bereits zurückgetreten waren, ab diesem Zeitpunkt alleiniger Geschäftsführer war. Dieser war zuletzt Geschäftsführer des gleich zweimal in die Insolvenz geratenen Saarbrücker Wurstherstellers Höll. Dort wurde er allerdings vom Insolvenzverwalter entlassen. Zudem leitete seinerzeit die Staatsanwaltschaft Saarbrücken im September 2013 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ein. Auch in diesem Fall stellte nicht Herr Wenz den Insolvenzantrag, sondern die bereits Mitte Februar 2014 neu berufenen Geschäftsführern Wolf-Rüdiger von der Fecht und Nikolaos Antoniadis.

Entgegen der prospektierten Zweckverwendung haben die Beklagten die Anleihegelder nicht zur Finanzierung des Wachstums der Zamek-Gruppe, insbesondere durch die weitere Einstellung von qualifizierten Mitarbeitern in Schlüsselpositionen, den verstärkten Ausbau der Geschäftsbereiche Private Label und Food Ingrediens sowie die Expansion in ausländische Märkte, sowie zur Ablösung von Verbindlichkeiten verwendet. Ein wichtiges Ziel sollte laut Prospektierung auch die Verlagerung des Produktionsstandortes nach Polen sein. Bis zum heutigen Tage existiert dort jedoch nicht viel mehr als eine angemietete leere Lagerhalle.

Die Anleihegelder wurden zweckwidrig fast vollständig ungesichert an die Tochtergesellschaften weitergereicht. Dieser Umstand führte dazu, dass das strafrechtliche Ermittlungsverfahren zwischenzeitlich um den Vorwurf des Betruges zu Lasten der Anleger u.a. erweitert wurde. Wir haben gegen die Verantwortlichen bereits Schadenersatzklagen im Wert von über 100.000 Euro erhoben.

Die Erfolgsaussichten stehen derzeit noch gut. Wir weisen jedoch darauf hin, dass nur im Wege der Zwangsvollstreckung auf die Vermögenswerte der Verantwortlichen Zugriff genommen werden kann. Dies setzt immer einen zivilrechtlichen Titel voraus. Insoweit gilt das in der Zwangsvollstreckung herrschende Prioritätsprinzip (umgangssprachlich: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“). Die Erfolgsaussichten für die Durchsetzung der Schadensersatzansprüche sind daher bei einem schnellen Zugriff wesentlich höher.

Die auf Wirtschafts-, Kapitalmarkt- und Bankenrecht spezialisierte Kanzlei ADWUS Rechtsanwälte in Kooperation mit Prof. Dr. jur. habil. Jürgen Rath hat sich auf diesen Rechtsgebieten seit mehr als einem Jahrzehnt hinweg nachhaltig bundesweit etabliert. Rufen Sie uns unverbindlich an!

Bank- und Kapitalmarktrecht