21.01.2017

Windreich-Anleihe in der Pleite: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Balz

Wie von einer Vielzahl seriöser Presseorgane mitgeteilt wird, hat die zuständige Stuttgarter Staatsanwaltschaft nach umfangreicher Prüfung nunmehr Anklage gegen insgesamt acht beschuldigte Verantwortliche im Umfeld des Windparkentwicklers erhoben.

Windreich-Gründer und Chef Willi Balz sowie weiteren sieben Managern werde Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Verletzung der Berichterstattungspflicht, Gläubigerbegünstigung sowie Insiderhandel vorgeworfen, vor allem aber Insolvenzverschleppung sowie Beihilfe dazu bei mehreren Gesellschaften.

Wie beispielhaft die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, wolle sich die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zu weiteren Details im Moment nicht äußern. Es sei jedoch zumindest davon auszugehen, dass sich die im Raume stehenden Vorwürfe insbesondere gegen Unternehmensgründer Balz richteten. Dieser wiederum halte sich für unschuldig respektive die Vorhaltungen für aus der Luft gegriffen. Vielmehr sehe er eine Verschwörung vormaliger Gläubiger, die für die Insolvenz des Unternehmens im März 2013 verantwortlich seien.

Ursprünglich war mit Beginn der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Frühjahr 2013 gegen insgesamt 20 Beschuldigte ermittelt worden. Die Verfahren gegen zwölf Personen wurden allerdings zwischenzeitlich eingestellt. Interessanterweise gehört zu den Verantwortlichen, gegen die nunmehr Anklage erhoben wurde, auch der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring, vormalig Aufsichtsratsvorsitzender sowie stellvertretender Vorstandsvorsitzender im Unternehmen. Die Personalie Döring dürfte einer Vielzahl von Kleinanlegern auch in anderweitiger Verbindung die Zornesröte ins Gesicht treiben: namentlich geprellte Investoren in die Canada Gold Trust Fonds konnten sich erst kürzlich über die Zustellung von Mahnbescheiden des Geschäftsführers der Xolaris Verwaltungs GmbH zur Erzwingung der Rückzahlung von Ausschüttungen dieses weiteren notleidenden Desasters freuen.

Die geschädigten Anleger in die Zinspapiere von Windreich stehen nun vor der Situation, dass sie in der langen Schlange der Gläubiger die allerletzten sind, die sich in der Reihe anstellen dürfen. Keine sonderlich gute Perspektive das, vor allem und ganz besonders vor dem Hintergrund, dass dem durch Balz und Konsorten angehäuften Schuldenberg keine allzu großen Assets auf der Habenseite gegenüberstehen. Der ein oder andere geprellte Anleger dürfte sich insoweit möglicherweise Gedanken dahingehend machen, wie er gegebenenfalls die Verursacher der ganzen Misere über eine möglicherweise zu erwartende strafrechtliche Verurteilung hinaus schadensersatzpflichtig machen könnte. Für ein erfolgreiches Vorgehen in dieser Hinsicht empfiehlt sich aufgrund der Komplexität der Sachlage jedenfalls dringlich die Beiziehung entsprechend erfahrener anwaltlicher Hilfe.

Bank- und Kapitalmarktrecht