17.11.2015

Teldafax-Skandal: milde Strafen und Teileinstellung des Verfahrens?

Wie eine Vielzahl unterschiedlicher Medien berichtet, könnte einer der größten deutschen Wirtschaftsskandale in Kürze vor dem Ende stehen. 

Unter anderem die Wirtschaftswoche schreibt, die zuständige Bonner Staatsanwaltschaft würde erwägen, die Anklagepunkte Betrug und Bankrotthandlung fallenzulassen und insoweit das Verfahren mit einer Teileinstellung zu beenden. Möglich wären dann Strafen von einem bis zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Während des 41. Verhandlungstages am vergangenen Donnerstag habe die Strafkammer am Bonner Landgericht erläutert, in einer Zwischenbewertung nach Gesprächen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu dieser Einschätzung gekommen zu sein. Auch die Staatsanwaltschaft habe verlauten lassen, sie könne sich „eine Beschränkung der Anklage“ vorstellen, wolle allerdings die Bedenken der zuständigen Richter noch prüfen. Wie zu erwarten, wurde das offensichtliche Einknicken von Staatsanwaltschaft und Gericht von Seiten der Verteidigung begrüßt, aus dem Verfahren sei ohnehin nach mehr als 40 Verhandlungstagen und vier Jahre nach der Unternehmenspleite "die Luft heraus".

Aufmerksamen Prozessbeobachtern, brav steuerzahlenden Bürgern und insbesondere allen geschädigten Strom- und Gaskunden dürfte indes das sprichwörtliche Messer in der Tasche aufgehen, war doch der Prozess gegen die drei vormaligen Vorstände bereits in einem ersten Anlauf aufgrund totalen Behördenversagens geplatzt.

Die drei Herren, die sich bis zum bitteren Ende Netto-Monatsgehälter von immerhin bis zu 17.000 € ausbezahlen ließen, hatten ganz offensichtlich den längst nicht mehr liquiden Energieversorger nurmehr über stetig mehr zufließende neue Vorauszahlungen über Wasser gehalten und auf der anderen Seite Strom und Gas zu Dumpingpreisen beworben.

Insbesondere auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen empfehlen wir ein weiteres mal allen Betroffenen, möglichst umgehend mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Hilfe alle rechtlich möglichen Schritte zur Geltendmachung und Durchsetzung von Schadensersatz zu prüfen und zeitnah umzusetzen. Im Fokus stehen dürften hier neben den aktuell noch Angeklagten möglicherweise auch weitere Verantwortliche wie beispielsweise zuständige Wirtschaftsprüfer und eventuell darüberhinaus untätig gebliebene behördliche Mitarbeiter. Gerne dürfen Sie sich in dieser Hinsicht mit uns in Verbindung setzen, Ansprechpartner innerhalb der Kanzlei auch für eine kurze unverbindliche Bestandsaufnahme ist RA Wolfgang Wittmann.