26.04.2017

VW-Skandal und Diesel-Gate: kostenfreie Rückgabe möglich?

Die Stiftung Warentest befasst sich erneut mit dem gigantischen Manipulationsskandal im VW-Konzern.

Nach Informationen der Verbraucherschützer seien die Informationen über Kreditverträge zu Fahrzeugfinanzierungen sämtlich schlampig aufgesetzt, darüberhinaus unvollständig, widersprüchlich und verwirrend. Betroffen seien insbesondere die über die VW-Bank sowie für SEAT, Skoda und Audi arbeitenden Zweigniederlassungen ausgegebenen Kreditverträge ab dem 11.06.2010. Auch Fahrzeugfinanzierungen der Santander Consumer Bank seien mangelhaft.

Abschlüsse können widerrufen werden

Aufgrund der Fehlerhaftigkeit der in Rede stehenden Kreditverträge könnten die Autokäufer auch heute noch die Abschlüsse widerrufen. Im Gegenzug müssten bislang geleistete Raten sowie die Anzahlung erstattet werden. Ganz besonders lukrativ dürfte das Malheur für Kunden mit Verträgen ab dem 13.06.2014 werden: an diesem Tage traten umfangreiche Gesetzesänderungen im Sinne des Verbraucherschutzes in Kraft. Hier müssten noch nicht einmal eine Entschädigung für gefahrene Kilometer sowie den zwischenzeitlichen Wertverlust des Fahrzeugs geleistet werden.

Effizientere Variante zum Sachmängelausgleich

Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass der hier offensichtlich mögliche Widerruf von abgeschlossenen Kreditverträgen für Fahrzeugkäufe insbesondere für Fahrer und Halter der von den Abgasmanipulationen betroffenen Fahrzeuge eine wesentlich effizientere Variante zum Sachmängelausgleich darstelle. Im Falle von Schadensersatzklagen gegen die Hersteller oder Sachmangelklagen gegen Händler seien üblicherweise Nutzungspauschalen und Wertverlust anzurechnen.

Kein Anspruch auf Nutzungswertersatz

Auf Nachfrage von test.de stelle ein Sprecher der VW-Bank die für den Konzern äußerst heikle Sachlage völlig anders dar: die erteilten Widerrufsbelehrungen seien ordnungsgemäß erfolgt, einer entsprechenden Klage sei bislang noch nicht stattgegeben worden. Die Stiftung Warentest weist hingegen auf die eindeutigen Äußerungen von Richterin Marianne Voigt am Berliner Landgericht hin: "wenn die Belehrung nicht korrekt ist, dann kann kein Anspruch auf Nutzungswertersatz bestehen".

Außergerichtliche Abfindungen

Ganz offensichtlich erkenne der durch den Manipulationsskandal massiv erschütterte Konzern die Brisanz: in allen bislang verhandelten Kreditwiderrufsklagen seien die Autokäufer still und leise außergerichtlich abgefunden worden. Wir empfehlen jedenfalls allen im obigen Sinne betroffenen Kunden der VW-Gruppe, im Zweifelsfall mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Vertretung bestehende bzw. abgeschlossene Kreditvereinbarungen zu prüfen und gegebenenfalls zeitnah zu widerrufen. Gerne dürfen Sie sich in dieser Hinsicht mit uns in Verbindung setzen.