Berufung

Jeder Angeklagte einer Straftat wird sich im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ein klares Verfahrensziel vor Augen setzen, beispielsweise der Freispruch, die Geldstrafe statt Freiheitsstrafe oder die Strafaussetzung zur Bewährung. Solche Ziele können sich selbstverständlich im Rahmen der Hauptverhandlung verändern. Die Frage, ob gegen ein erstinstanzliches Strafurteil Berufung eingelegt werden soll oder nicht, stellt sich immer dann, wenn diese Ziele nicht erreicht wurden. Nicht selten können aber auch andere Umstände zur Berufung führen, beispielsweise wenn es Gründe gibt, die Rechtskraft des Urteils wegen eines bevorstehenden Haftantrittes, eines angeordneten Fahrverbotes oder sonstiger Nebenfolgen (Berufsverbot, Unzuverlässigkeit, etc.) zu hemmen. Statistisch sind die Anzahl eingelegter Berufungen auf erstinstanzliche Strafurteile durchaus als gering zu bewerten. Die Quote erfolgreicher Berufungen dagegen sind erheblich. Eine Berufung bietet dem Angeklagten jedoch nicht nur Chancen, sondern birgt auch Gefahren,

die sich im Wesentlichen aus den Einschränkungen des grundsätzlichen Verbots der Schlechterstellung gemäß § 331 Abs. 1 StPO ergeben. Der besonnene Verteidiger kennt diese Gefahren und trägt diesen im Rahmen der Abwägung der Einlegung und Durchführung einer Berufung Rechnung. Grundsätzlich ist die Berufung gegen alle strafrechtlichen erstinstanzlichen Urteile zulässig. Die Frist zur Einlegung der Berufung beträgt eine Woche schriftlich oder mündlich zu Protokoll der Geschäftsstelle bei dem Gericht, dessen Urteil angefochten werden soll.

Durch die rechtzeitige Einlegung der Berufung wird die Rechtskraft des Urteils gehemmt, das heißt aus dem Urteil kann nicht vollstreckt werden. Die Berufungsverhandlung ist eine weitere Tatsacheninstanz. Das gesamte Verfahren wird erneut unter Beachtung des Grundsatzes der Mündlichkeit in der Hauptverhandlung durchgeführt.

 

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht

Benjamin Schmitt

Ihr Spezialist in allen Fragen des Strafrechts mit Schwerpunkt Kapitalstrafrecht, Betäubungsmittelstrafrecht.

Rechtsanwalt für Strafrecht

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