Bewertungsplattformen wie Google, Jameda, Trustpilot oder Kununu sind heute für viele Unternehmen und Selbstständige ein zentraler Teil der digitalen Außenwirkung. Eine gute Bewertung kann Vertrauen schaffen – eine schlechte oder gar rechtswidrige Bewertung hingegen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen. In solchen Fällen kommt das sogenannte Notice-and-Takedown-Verfahren zum Einsatz – ein rechtliches Mittel, um unzulässige Inhalte schnell und effektiv entfernen zu lassen. In diesem Beitrag erkläre ich, wie das Verfahren funktioniert, welche Rechte Betroffene haben und worauf man in der Praxis achten sollte.
Der Ablauf in der Praxis
1. Der Hinweis („Notice“)
Der Mandant kontaktiert mich mit einer problematischen Bewertung – etwa wegen falscher Tatsachenbehauptungen, Beleidigungen oder weil er keine Geschäftsbeziehung mit dem Verfasser hatte. Ich übernehme dann die formale Mitteilung an die Plattform mit einem fundierten Löschungsantrag.
2. Prüfung durch das Portal
Die Plattform muss nun eine sorgfältige Prüfung vornehmen. In der Regel wird der Inhalt vorübergehend deaktiviert, und der Verfasser der Bewertung bekommt die Gelegenheit zur Stellungnahme.
3. Entscheidung („Takedown“)
- Gibt es keine ausreichende Reaktion des Verfassers oder lässt sich die Bewertung nicht rechtfertigen, muss sie gelöscht werden.
- Bleibt die Bewertung bestehen, obwohl sie rechtswidrig ist, kann ein gerichtliches Vorgehen notwendig sein.
Zwischen Januar und Juni 2023 erhielt Google 395 Takedown‑Anfragen aus Deutschland, die sich auf insgesamt 1.804 Inhalte bezogen. Ca. 68,9 % der beanstandeten Inhalte wurden entfernt. In der zweiten Jahreshälfte 2023 waren es 349 Anfragen für 1.521 Inhalte mit einer Löschquote von 59,3 % Freedom House.
Diese Daten zeigen, dass Plattformen bei Bürger‑ oder Amtsanfragen aktiv und mit hoher Löschrate tätig werden – ein zentraler Aspekt des Notice‑and‑Takedown‑Mechanismus.
Typische Löschungsgründe
Rechtswidrig und damit angreifbar sind insbesondere Bewertungen, die:
- falsche Tatsachen behaupten („Rechnung doppelt gestellt“, obwohl das nicht stimmt)
- beleidigend oder diffamierend sind („Betrüger, Finger weg!“)
- ohne tatsächliche Geschäftsbeziehung verfasst wurden (z. B. durch Fake-Accounts oder Konkurrenten)
- pauschal negativ und ohne konkreten Bezug sind („Einfach nur schlecht“, ohne Details)
Effektiver Schutz vor Rufschädigung im Netz
In der täglichen anwaltlichen Praxis ist das Notice-and-Takedown-Verfahren die wichtigste strategische Waffe, wenn betroffene Unternehmen unberechtigte oder anonyme Google Bewertungen löschen lassen wollen. Erst durch die juristisch präzise Inkenntnissetzung verliert die Plattform ihr Haftungsprivileg als bloßer Host-Provider und gerät in die direkte Störerhaftung, was die Erfolgsquote im Rahmen des Digital Services Act (DSA) massiv nach oben treibt.

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